Die Nachtschwester  

rm_kavalier01 70M
2 posts
6/17/2006 5:33 am

Last Read:
6/17/2006 5:33 am

Die Nachtschwester

Die Nachtschwester © by Günter Schulz

"So ein Mist!" dachte Marco bei sich, als er an sich herabsah. Eine kleine Unachtsamkeit und schon war es passiert. Zweifacher Wadenbeinbruch, das rechte Bein in Gips und nun durfte er erst einmal ein paar Tage im Krankenhaus vor sich hindümpeln, bevor er mit Krücken - nein, Unterarmgehstützen hieß das ja, hatte ihn der Arzt belehrt - nach Hause durfte.

Marco langweilte sich. Immer wieder legte er das Buch, das sein Kumpel ihm vorbeigebracht hatte, beiseite. Naschte ein bisschen Obst oder Süßigkeiten. Machte den Fernseher an - wieder nur irgendwelche doofen Talkshows -, machte den Fernseher wieder aus. Er hasste es, so untätig rumzuliegen. Als der Abend kam, war er putzmunter. Keine Spur von Müdigkeit. Wovon auch? Also durfte er sich auch noch die Nacht durch langweilen. Zum Glück hatte er ein Einzelzimmer, da konnte er den Fernseher so oft ein- und ausschalten wie er lustig war. Irgendwann gegen 23 Uhr öffnete sich die Zimmertür.

Er hatte seine Bettlampe schon ausgeschaltet, nur der Fernseher erhellte den Raum noch ein wenig. Die diffuse Nachtbeleuchtung vom Krankenhausflur zeigte den Umriss eines Zauberwesens im Türrahmen. Offensichtlich die Nachtschwester. In einem klassischen Kleidchen, wie man es sonst nur noch in irgendwelchen romantischen Arztserien sah. Langes wallendes Haar schien ihr über die Schultern zu fallen, die Farbe konnte er nicht erkennen. Die Taille wirkte wie mit dem Korsett geschnürt, so schmal war sie. Ob sie viel Holz vor der Hütt'n hatte, konnte er leider nicht erkennen. Aber ihre Beine! Endlos schienen diese zu sein, mit wohlgeformten, kräftigen, aber nicht dicken Waden. Marco hatte den Mund weit aufstehen, der Sabber lief ihm im Mund zusammen. Das wäre ein Zeitvertreib für die Nacht.

Aber da hatte er wahrscheinlich schlechte Karten. Mit einer einschmeichelnden, überaus sexy wirkenden Stimme fragte sie ihn, ob alles in Ordnung sei oder ob sie noch etwas für ihn tun könne. "Och, ich wüsste da schon was, aber dafür werden sie eigentlich NICHT bezahlt," murmelte Marco, weil er einfach das Bedürfnis hatte, seine lüsternen Gedanken zum Ausdruck zu bringen. Sie lachte glockenhell. "Ich denke mal drüber nach."

Mit diesen Worten schloss sie die Tür wieder hinter sich und war verschwunden. Marco zappte weiter durch die Programme. Irgendwann landete er bei einem dieser billigen Sexfilmchen. Das würde ihm auch nicht weiterhelfen, dachte er missmutig. Er zog sich die Bettdecke bis zum Hals und schloss die Augen. Irgendwann döste er ein, noch das Stöhnen der Akteurinnen im Fernsehen in den Ohren. Er wachte auf, weil ihn etwas im Gesicht kitzelte. Schlaftrunken öffnete er die Augen und sah erst einmal rot, nein braun. Im wahrsten Sinne des Wortes, überall um ihn herum flossen brünette Haare, während die Besitzerin der Haare gerade damit beschäftigt war, seinen Pyjama aufzuknöpfen. Er räusperte sich verlegen. Sie bemerkte es und drehte ihr Gesicht zu ihm. "Ich habe mir dein Angebot von eben noch einmal durch den Kopf gehen lassen," hauchte sie ihm entgegen.
Es war tatsächlich diese Superfrau, die sich vor einiger Zeit nach seinem Wohlbefinden erkundigt hatte. Bei dem Gedanken, dass sie sein Angebot, ihm die Zeit ansprechend zu vertreiben, annehmen würde, begann sich die Bettdecke leicht zu wölben. Er sah ein wenig verlegen zu dem Zeltplatz in der Mitte seines Bettes hinunter und räusperte sich erneut, wusste kaum, was er nun sagen sollte. Auch sie bemerkte seine Verlegenheit und grinste anzüglich.

Sie sah so wunderschön aus, als sie weitersprach und dabei ganz selbstverständlich mit ihren zartgliedrigen Fingern in seinen Brusthaaren spielte. "Eben noch eine große Klappe und nun kneifen? Ich habe mich doch so auf ein kleines Spielchen mit einem fast wehrlosen Patienten gefreut." Ihr Hände wanderten tiefer. Marco fiel beim besten Willen nichts geistreiches ein, das er hätte von sich geben können. Deshalb hielt er einfach den Mund und zog sie an sich.

Ihre sinnlichen, fein geschwungenen Lippen kamen immer näher. Sie trug keinen richtigen Lippenstift, aber ihre Lippen glänzten seidig in dem diffusen Licht des Fernsehers. Als ihre Lippen sich trafen, durchfuhr es ihn wie ein Blitz. So etwas hatte er nicht mehr gefühlt seit er das erste Mal verliebt war. Es war, als liefen tausende von Ameisen durch seine Blutbahnen. Sein ganzer Körper kribbelte. Natürlich kribbelte auch seine Körpermitte, aber das war jetzt nicht mehr primär wichtig.

Seine Zunge tastete sich vorsichtig vor, fuhr über ihre herrlich warmen Lippen, teilte sie und fuhr vorsichtig in ihre Mundhöhle hinein. Ihre Zungen trafen sich und er glaubte, sterben zu müssen, wenn sie sich jemals wieder von ihm trennte. Ihre Finger spielten unter der Bettdecke herum, während sie sich eng an ihn schmiegte und schließlich fast mit auf seinem Krankenbett lag. Er hätte sich so gerne herumgeworfen und sie unter sich begraben, aber daran hinderte ihn sein verdammtes Bein. Irgendwann lösten sich ihre Lippen voneinander.

Sie sahen sich tief in die Augen. Mit ihrer sinnlichen Stimme hauchte sie. "Eigentlich wollte ich nur ein schnelles Sexabenteuer, aber dafür bist Du mir viel zu schade." Sein Herz machte einen Sprung und er brachte nur ein gestottertes "mir geht es genauso" heraus. Das hinderte ihn allerdings nicht daran, in ihren Ausschnitt zu starren, wo sich ihm pralle Brüste entgegenstreckten.

Er bedeckte ihr Dekolleté mit lauter kleinen Küssen, was sie mit einem wollüstigen Stöhnen bedachte. Seine rechte Hand fuhr unter ihr Kleid und glitt über ihren prallen Po. Erst jetzt fiel ihm auf, dass sie gar keinen Slip trug. Sie grinste:"Na, der hätte doch nur gestört, oder?" Plötzlich ging irgendwo draußen auf dem Gang ein Signal los. Sie sprang auf, aus der Traum. "Tut mir leid, die Arbeit ruft."

Und sie ging schnellen Schrittes Richtung Tür. "Aber ich komme wieder, keine Angst." Mit diesen Worten glitt sie aus dem Krankenzimmer hinaus. Wie sie versprochen hatte, kam sie wieder. Und dieses Mal wurden sie nicht unterbrochen und erlebten zwei wundervolle Stunden miteinander. Marco wusste bis dahin nicht, dass Sex so intensiv und leidenschaftlich sein konnte. Die restlichen Tage im Krankenhaus vergingen wie im Flug. Er schlief tagsüber und nachts kam SIE. Aber auch diese durch die schöne Nachtschwester versüßte Zeit ging bald vorbei. Er durfte wieder nach Hause. Ein halbes Jahr später läuteten schließlich die Hochzeitsglocken. Dank sei dem maroden Knochen!



Become a member to create a blog