Bitte h  

rm_Benkai7 56M
1685 posts
3/15/2006 1:10 am
Bitte h





Please Hear What I Am Not Saying
Bitte höre was ich nicht sage!
S'il te plaît, écoutes ce que je ne dis pas
Vi prego, intendete ciò che non dico
von Charles C. Finn


Bitte höre, was ich nicht sage!

Laß Dich nicht von mir narren. Laß Dich nicht durch das Gesicht täuschen, das ich mache, denn ich trage Masken, Masken, die ich fürchte, abzulegen. Und keine davon bin ich. So tun als ob ist eine Kunst, die mir zur zweiten Natur wurde. Aber laß Dich dadurch nicht täuschen. Ich mache den Eindruck, als sei ich umgänglich, als sei alles heiter in mir, und so als brauchte ich niemanden. Aber glaub mir nicht!

Mein Äußeres mag sicher erscheinen, aber es ist meine Maske. Darunter bin ich, wie ich wirklich bin: verwirrt, in Furcht und allein. Aber ich verberge das. Ich möchte nicht, daß es jemand merkt. Beim bloßen Gedanken an meine Schwächen bekomme ich Panik und fürchte mich davor, mich anderen überhaupt auszusetzen.

Gerade deshalb erfinde ich verzweifelt Masken, hinter denen ich mich verbergen kann: eine lässige Fassade, die mir hilft, etwas vorzutäuschen, die mich vor dem wissenden Blick sichert, der mich erkennen würde. Dabei wäre dieser Blick gerade meine Rettung. Und ich weiß es.

Wenn es jemand wäre, der mich annimmt und mich liebt... Das ist das einzige, das mir Sicherheit geben würde, die ich mir selbst nicht geben kann: daß ich wirklich etwas wert bin. Aber das sage ich Dir nicht. Ich wage es nicht. Ich habe Angst davor.

Ich habe Angst, daß Dein Blick nicht von Annahme und Liebe begleitet wird. Ich fürchte, Du wirst gering von mir denken und über mich lachen. Und Dein Lachen würde mich umbringen. Ich habe Angst, daß ich tief drinnen in mir nichts bin, nichts wert, und daß Du das siehst und mich abweisen wirst.

So spiele ich mein Spiel, mein verzweifeltes Spiel: eine sichere Fassade außen und ein zitterndes Kind innen. Ich rede daher im gängigen Ton oberflächlichen Geschwätzes. Ich erzähle Dir alles, was wirklich nichts ist, und nichts von alledem, was wirklich ist, was in mir schreit; deshalb laß Dich nicht täuschen von dem, was ich aus Gewohnheit rede.

Bitte höre sorgfältig hin und versuche zu hören, was ich nicht sage, was ich gerne sagen möchte, was ich aber nicht sagen kann. Ich verabscheue dieses Versteckspiel, das ich da aufführe. Es ist ein oberflächliches, unechtes Spiel. Ich möchte wirklich echt und spontan sein können, einfach ich selbst, aber Du mußt mir helfen. Du mußt Deine Hand ausstrecken, selbst wenn es gerade das letzte zu sein scheint, was ich mir wünsche. Nur Du kannst mich zum Leben rufen.

Jedesmal, wenn Du freundlich und gut bist und mir Mut machst, jedesmal, wenn Du zu verstehen suchst, weil Du Dich wirklich um mich sorgst, bekommt mein Herz Flügel, sehr kleine Flügel, sehr brüchige Schwingen, aber Flügel!

Dein Gespür und die Kraft Deines Verstehens, geben mir Leben. Ich möchte, daß Du das weißt. Ich möchte, daß Du weißt, wie wichtig Du für mich bist, wie sehr Du aus mir den Menschen machen kannst, der ich wirklich bin, wenn Du willst.

Bitte, ich wünschte Du wolltest es. Du allein kannst die Wand niederreißen, hinter der ich zittere, Du allein kannst mir die Maske abnehmen. Du allein kannst mich aus meiner Schattenwelt, aus Angst und Unsicherheit befreien, aus meiner Einsamkeit.

Übersieh mich nicht. Bitte übergeh mich nicht! Es wird nicht leicht für Dich sein. Die langandauernde Überzeugung, wertlos zu sein, schafft dicke Mauern. Je näher Du mir kommst, desto blinder schlage ich zurück. Ich wehre mich gegen das, wonach ich schreie. Aber man hat mir gesagt, daß Liebe stärker sei als jeder Schutzwall und darauf hoffe ich.

Wer ich bin, willst Du wissen? Ich bin jemand, den Du sehr gut kennst und der Dir oft begegnet.

von Charles C. Finn.
September 1966.

Dt. Version Tobias Brocher:
Bitte höre was ich nicht sage!

Aus: Tobias Brocher: Von der Schwierigkeit zu lieben, Maßstäbe des Menschlichen. Band 8/1975 Kreuz Verlag Stuttgart und Berlin. (Out of print) Wiedergegeben in Heinz Körner: Johannes. Seiten 84-86. © 1978 lucy körner verlag, ISBN 3-922028-00-4. "Bitte höre, was ich nicht sage" stammt nicht von Tobias Brocher selbst, sondern wurde ihm von einem unbekannten Studenten überreicht.

Update: Der Autor von "Bitte höre, was ich nicht sage" ist Charles C. Finn. (2004/12/03).



Eine verkürzte Version dieses Gedichtes habe ich seit 26 Jahren. Leider habe ich in dieser Zeit nie den Autor herausfinden können.
Diese "Originalversion" habe ich erst seit recht kurzer Zeit.
Nochmals Vielen Dank an einen sehr hilfsbereiten Menschen.

{ Benkai7 {... just a poor R?nin marching by ... { Z






heisse_stunden 42F

3/19/2006 11:43 am

lieber benkai.

es ist einfach schön...danke

heisse_stunden


rm_Benkai7 56M
2358 posts
3/20/2006 3:55 am

Liebe "heisse_stunden".

Darum ist es auch mein absolutes Lieblingsgedicht ... Für Dich werde ich hier noch eines posten ...:


Die Geschichte vom Mann mit den 7 Masken

Es war einmal ein Mann, der trug sieben verschiedene Masken, für jeden Tag der Woche eine. Wenn er morgens aufstand, bedeckte er sich immer unverzüglich sein Gesicht mit einer seiner Masken. Sodann kleidete er sich an und ging zur Arbeit aus dem Haus. Er lebte auf diese Weise, ohne jemals irgend jemandem sein wahres Gesicht zu zeigen.
Doch eines Nachts, während er fest schlief, stahl ihm ein Dieb seine sieben Masken. Als er aufwachte und den Diebstahl feststellte, schrie er völlig kopflos: „Haltet den Dieb! Haltet den Dieb!“ Dann rannte er auf der Suche nach seinen Masken durch alle Straßen der Stadt.
Die Leute sahen ihn wild gestikulieren, fluchen und die ganze Welt mit den schlimmsten Schicksalsschlägen bedrohen, wenn er nicht seine Masken wieder finden könne. Den ganzen Tag verbrachte er damit, nach dem Dieb zu suchen, aber es war alles umsonst.
Verzweifelt und untröstlich brach er zusammen und weinte wie ein kleines Kind. Die Leute versuchten ihn zu trösten, aber nichts konnte ihm aus seinem Unglück helfen.
Da kam eine Frau vorbei und fragte ihn:
„Freund, was ist mit dir los? Warum weinst du so?“
Er hob den Kopf und gab mit erstickter Stimme zur Antwort: „Man hat mir meine Masken gestohlen und mit derart unverhülltem Gesicht fühle ich mich viel zu verletzbar.“
„Tröste dich“, sagte sie, „schau mich an: Ich habe von Geburt an immer mein Gesicht gezeigt.“
Er sah sie lange an und erkannte, dass sie sehr schön war. Die Frau beugte sich zu ihm herab, lächelte ihm zu und trocknete ihm die Tränen ab. Da spürte dieser Mann zum ersten Mal in seinem Leben auf seinem Gesicht, wie wohl es tat, zärtlich berührt zu werden.

Tadjo


Dein Benkai7



heisse_stunden 42F

3/20/2006 4:36 am

hallo benkai.

danke für dein gedicht...es ist eine ehre, das du es für mich "geschrieben" hast...

tadjo hat es gut formuliert....verletztbar....

zeig mir jemand der nicht verletztbar ist. so ein mensch gibt es nicht...

in irgendeine sinn verstellt sich jede mal..ob kurzfristig oder langfristig, ist unterschiedlich...

was ich aber nicht verstehen kann, warum sind manche so "böse", hinterhältig???? vielleicht bin ich naiv, aber sowas kann ich sehr schlecht nachvollziehen...

ich habe selbst eine tochter wie du es weisst, und ich hoffe, sie wird nicht so sein....

kuss


suchende1957 59F

3/20/2006 10:09 pm

der mensch der "vorgeblich"hinter die maske schaut ,muß aber sehr "selbstlos"und wirklich "liebend"sein um nicht der versuchung zu erliegend,dich so zu sehen,wie er dich gerne sehen würde und in seiner "wahrheit"!
manche suche bleibt ein lebenlang vergebens
gr.s


rm_Benkai7 replies on 9/1/2006 9:31 am:
Liebe "suchende1957".

Keine Suche ist vergebens, wirklich keine ... hm ... Du könntest sagen, dass Du etwas anderes gefunden hast oder Dich etwas anderes findet, als das was Du ausgezogen bist zu suchen ...

Auf unserem Weg begegnen wir vielem, was wir vorher noch nicht kannten ... erwerben wissen ... machen neue Erfahrungen ... und so verändert sich unser Ziel ... manchmal bemerken wir das erst, wenn wir glauben "unser" Ziel erreicht zu haben ... oder uns ein anderes Ziel wichtiger erscheint ...

Tatsache ist, dass wir uns selbst auf unserem Wege erst wirklich kennenlernen ...

Dein Benkai7

original vom 21.03. 2006

rm_Benkai7 56M
2358 posts
3/21/2006 1:08 am

Liebe "heisse_stunden".

An anderen Menschen kannst Du nicht "arbeiten" ... diese können nur selbst an ihrer eigenen Entwicklung arbeiten ...

Es geht auch nicht darum "nicht verletzbar" zu sein ... sondern, dass Du zu Deiner Verletzbarkeit stehst und sie annimmst ... Dich mit dieser Verletzbarkeit als vollständiges menschliches Wesen annimmst ... und Dich liebst ...

Dein Benkai7


suchende1957 59F

3/21/2006 6:46 am

hallo benkai7
hast du so einen "verstehenden"in deinem leben getroffen?
oder bist du für alle der "verstehende"weil,auch du ein suchender bist?
gr.s


rm_Benkai7 replies on 9/1/2006 9:27 am:
Liebe "suchende1957".

Keine Suche ist vergebens, wirklich keine ... hm ... Du könntest sagen, dass Du etwas anderes gefunden hast oder Dich etwas anderes findet, als das was Du ausgezogen bist zu suchen ...

Auf unserem Weg begegnen wir vielem, was wir vorher noch nicht kannten ... erwerben wissen ... machen neue Erfahrungen ... und so verändert sich unser Ziel ... manchmal bemerken wir das erst, wenn wir glauben "unser" Ziel erreicht zu haben ... oder uns ein anderes Ziel wichtiger erscheint ...

Tatsache ist, dass wir uns selbst auf unserem Wege erst wirklich kennenlernen ...

Dein Benkai7

original vom 21.03. 2006

rm_Benkai7 replies on 9/1/2006 9:35 am:
Liebe "suchende1957".

Ich bin auf dem Weg ... ich mache meine Reise, wie wir alle ... In meinem Leben habe ich, wie jeder andere auch, gute und schlechte Erfahrungen gemacht ... Ob aus eigener Unsicherheit, Dummheit, Unaufmerksamkeit, Gefühlen oder Unwissenheit heraus ...ob es andere aus welchen und mit welchen Bewegründen auch immer versucht oder geschafft haben ... was auch ich getan habe oder mir widerfahren ist ... ICH war und bin mit mindestens 50% daran beteiligt ...

... Ein ... suchender, sehender, fühlender, liebender, leidender, verstehender, erkennender, lernender ... MENSCH ...

Dein Benkai7

original vom 22.03.2006

rm_Benkai7 56M
2358 posts
3/21/2006 11:27 am

Liebe "suchende1957".

Keine Suche ist vergebens, wirklich keine ... hm ... Du könntest sagen, dass Du etwas anderes gefunden hast oder Dich etwas anderes findet, als das was Du ausgezogen bist zu suchen ...

Auf unserem Weg begegnen wir vielem, was wir vorher noch nicht kannten ... erwerben wissen ... machen neue Erfahrungen ... und so verändert sich unser Ziel ... manchmal bemerken wir das erst, wenn wir glauben "unser" Ziel erreicht zu haben ... oder uns ein anderes Ziel wichtiger erscheint ...

Tatsache ist, dass wir uns selbst auf unserem Wege erst wirklich kennenlernen ...

Dein Benkai7


rm_Benkai7 56M
2358 posts
3/22/2006 3:47 am

Liebe "suchende1957".

Ich bin auf dem Weg ... ich mache meine Reise, wie wir alle ... In meinem Leben habe ich, wie jeder andere auch, gute und schlechte Erfahrungen gemacht ... Ob aus eigener Unsicherheit, Dummheit, Unaufmerksamkeit, Gefühlen oder Unwissenheit heraus ...ob es andere aus welchen und mit welchen Bewegründen auch immer versucht oder geschafft haben ... was auch ich getan habe oder mir widerfahren ist ... ICH war und bin mit mindestens 50% daran beteiligt ...

... Ein ... suchender, sehender, fühlender, liebender, leidender, verstehender, erkennender, lernender ... MENSCH ...

Dein Benkai7


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