Ein erstes Statement  

Richelieu1968 49M
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6/3/2006 1:26 pm
Ein erstes Statement


Grundsätzlich:
Mit dem Sex ist es so eine Sache: Hat man keinen, will man ihn unbedingt. Hat man Sex, bekommt man nicht genug davon.
Und ich rede dabei erstmal nur von 08/15-Sex. Taucht man ein in die Höhen und Abgründe der eigenen Phantasie und Vorstellung, legt seine Vorlieben und Wünsche offen, wird es immer schwieriger, die passende Partnerin zu finden, die genauso tickt wie man selbst. Glaubt man dann, jemanden gefunden zu haben, wird man leider zu schnell eines Besseren belehrt. Man fängt an, an sich selbst zu zweifeln. „Bin ich wirklich so abgedreht?“
Als wenn es dabei nicht schon schwer genug ist, überhaupt eine Frau zu finden. Da reden alle immer davon, dass sie unentwegt Sex haben, ach so offen sind für alles, solche Stecher, verdorbene Luder, potent, geil und was weiß ich, aber unterm Strich sind es alles mind-fucking Statements, die nur heiße Luft sind. Ich habe schon lange aufgegeben, mir die Sprüche meiner männlichen Artgenossen anzuhören. Ich konnte jedes Mal kotzen, wenn sie mit Nichts versuchten, sich gegenseitig zu übertrumpfen. Und mittlerweile zweifle ich auch an den Aussagen des weiblichen Geschlechtes. Sie reden davon, dass sie Kerle suchen, die keine Heckenpenner sind, die auf sie eingehen, die mehr als das Rein-Raus-und-tschüß wollen und dann jammern sie nachher, dass sie doch wieder an irgendein Arschloch geraten sind, der genau das widerspiegelt, was sie eigentlich so negieren. Dabei sind wir noch immer beim klassischen ,Blümchen-Sex’.
Erweitert man den Horizont und damit seine Sichtweise, eröffnet sich und anderen neue Ufer, lebt man schlicht seine Neigungen aus, stößt man unweigerlich auf Verklemmung, Tabuisierung, noch mehr Idioten und noch weniger Toleranz. Dabei sind doch alle so scharf und aufgeschlossen? Was ist verkehrt daran, Sex haben zu wollen, wann immer man Lust hat? Warum muss es immer die gleiche Nummer sein? Macht es nicht gerade die Mischung? Eine gesunde Mischung? Und warum kann man nicht mal Neues ausprobieren?
Ja, ich habe ein scheiß Sexleben, denn ich habe keine Lust, ständig auf die Pirsch nach neuer Beute zu gehen und regelmäßig zu baggern, um dann nur wieder von vorne anzufangen, mich zu erklären, mich auf das kurze Abenteuer entsprechend einzustellen. Es ärgert mich, Frauen zu erleben, die das eine sagen, aber etwas völlig anderes meinen. Die über die Arschlöcher in ihrem Leben jammern, aber nicht erkennen, wenn jemand vor ihnen steht, der ihnen genau das geben will, was sie sich so sehnlich wünschen, wenn man ihren Ansagen Glauben schenkt. Ich habe die Schnauze voll davon, dass man den Partnerinnen alle Wünsche on den Augen ablesen muss, weil sie die Klappe nicht aufkriegen, und wenn man es dann nicht schafft, schließlich ist man kein Orakel, kommen sie mit Sexentzug (für wen ist das dann eigentlich eine größere Strafe?) und endlosen Diskussionen über Beziehungen und anderen Nichtigkeiten, die eigentlich nichts mit dem Thema zu tun haben. Muss es eigentlich so kompliziert sein?
Mit jedem Tag wird der Frust größer, weil die Erfüllung in so greifbarer Nähe zu liegen scheint und doch so unerreichbar ist. Und ebenso wird der Frust größer, weil einfache Platituden a la „Will ficken!“ eher zum Ziel führen als Stil und Anstand. Mein Dilemma scheint zu sein, dass ich eben nicht der „Will ficken!“-Typ bin, der dumm jede Schnarke anbaggert, nur um abzuspritzen und sich dann aus dem Staub zu machen.
Ist es so abwegig, was ich will? Ein erfülltet Sexleben für mich und meine Partnerin? Ist es so absonderlich, sich jemanden zu wünschen, der alles mit einem teilt? Habe ich mehr Glück, wenn ich mich auf etwas festlege und in ebensolchen Schubladen denke wie Otto-Normal-Verbraucher? Bin ich so ein Sonderling, dass ich von allem in Bezug auf Sex etwas haben will und mich nicht auf etwas festlegen lassen will? Werde ich an meiner Einstellung verzweifeln und am Ende allein vor einem großen Nichts stehen? Gibt es keine Frau, die solche Ansichten ehrlich teilt und ebenso denkt, die zu mir passt? Die Hoffnung stirbt zwar bekanntlich zuletzt, aber sie schmilzt jeden Tag ein Stückchen mehr.
Ich bin echt gefrustet.

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