Lisa  

Johnjo1975 43M
4 posts
6/13/2006 2:08 pm

Last Read:
6/18/2006 6:43 am

Lisa


Lisa ist eine Frau Anfng dreißig. Ihr Job in der Bibliothek ist ganz in Ordnung, findet sie. Ihre Eltern wohnen weit weg von Berlin, irendwo im Nordwesten, in der Nähe von Bremen. Nichtssagende und langweilige Menschen, findet sie, mit einem Hang zu kleinbürgerlichen Ängsten, Gemeinheiten und jener Art austauschbarem Leben, das millionenfach gelebt wird: ohne jemals einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, belanglos selbst für jene die es mal durchleiden, mal durchzittern, im Allgemeinen aber mit herdentierhafter Unbeteiligtheit hinnehmen.
Lisa ist schön. Wirklich schön, nicht hübsch auf jene Art, die so viele Frauen mit Kosmetik, push-up BHs, Liftings und einem dümmlich ergeben Lächeln zu erreichen suchen und die bestenfalls durch Geilheit und Alkoholkonsum der Männer in deren Augen zu Schönheiten emporwachsen. Lisa ist auf eine stille, schlichte Weise schön, die weder Acessoirs noch Koketterie benötigt. Lisa weiß das. Und Lisa mag das. Es bedeutet ihr nichts, aber sie weiß, wie Frauen leiden können, die nicht schön sind, denen niemand je hinterhergeguckt hat, die nie gespürt haben begehrt zu werden, auch wenn dieses Begehren in der Regel in unbeholfenen, dümmlichen oder schlicht nervigen Avancen endet. Sie trägt ihre Schönheit wie eine leichte Sommerjacke, die den Wind abhält und deren Stoff angenehm auf der Haut zu fühlen ist.
Männer üben im Allgemeinen wenig Reiz auf sie aus, doch sie ist sich sicher, das es Ausnahmen gibt. Einige hat sie schon getroffen, in Träumen und auf der Straße, in Wünschen und beim Einkaufen, aber selbst wenn sie real waren, waren sie - ohne, dass sie es sich erklären konnte, unerreichbar für sie. Die anderen aber, die Masse des anderen Geschlechts, ist mehr oder weniger gesichtslos an ihrem Leben vorbeigezogen. Sie hatte einen kurzen Teil ihrer Jugend, ein oder zwei Jahre nur, damit verlebt, sich ihren Begierden hinzugeben und das wenige an Leidenschaft zu erleben, das der durchschnittliche Mann ihr geben konnten. Doch das war vor Jahren. Die Erfahrungen waren gemacht und begannen bereits ins Reich der staubigen Erinnerungen abzugleiten. Dennoch fühlte sie sich nicht alt, im Gegenteil: sie fühlte ein Glühen in sich, das mit den Jahren stärker wurde. Sie fühlte ein Verlangen in sich heranwachsen, das alle erlebten, kleinen Genüsse zu überstrahlen begann. Der Mann, dem dieses Verlangen galt hatte noch keine klaren Umrisse. Nicht nur war sie ihm in der Realität noch nicht begegnet, selbst in ihren Träumen und Tagträumen hatte er noch nicht zu einem Bild verdichtet. Es war, als hätte alles Männliche sich in einem Nebel verloren um sich neu zu gestalten und eine Form zu finden, in dem es ihr entgegentreten konnte. Eine Form, die die Macht hätte, sie auf die Erde zu bannen und in die Wolken schweben zu lassen. Eine Form, in der sich ein männlicher Körper, Macht und Gewalt, Gefahr und Güte in einer Weise zueinanderfügten, für die sie keine Worte hatte. Manchmal, wenn Lisa im Bett lag und sich entspannte, nimmt das Bild so deutlich Konturen an, dass sie die Hände an ihre Brüste presste oder die Fäuste lusvoll in den Schoß stemmt.

Ansonsten geht Lisa ihrem Beruf nach, geht einkaufen, liest Bücher, sieht sich Filme an, geht dann und wann auf eine Party oder fährt für zwei Wochen in den Urlaub. Sie steht oft nachts am offenen Fenster und beobachtet das Treiben der Wolken im blassen Mondlicht.

rm_Neugierige60 57F

6/17/2006 2:28 am

Eigentlich ist Lisa eine arme Frau - was n黷zt ihr all ihr Sch鰊heit, wenn sie diese nicht lebt! Der Sommer ist im Kommen und sie ist so schwerm黷ig und traut sich nicht, neues zu wagen. Ihr Traumprinz wird nicht kommen, wenn sie sich so in sich zur點k zieht und in ihrer eigenen Welt lebt, denn diese Welt sieht nur einen sch鰊en Eisblock, der keinen an sich heranl鋝st und sich auch scheinbar nur f黵 sich interessiert. Vielleicht braucht sie wirklich noch Zeit - aber in dieser Zeit l鋟ft das Leben an ihr vorbei. Ich sag ja, arme Lisa!

(trotzdem eine sch鰊e Geschichte - sonst h鋞te sie mich nicht gereizt, darauf zu antworten)


Johnjo1975 43M

6/18/2006 5:08 am

Yep, genau so ist es. Die Frau gibt's wirklich, wenn auch etwas verfremdet und in Wahrheit ist sie schon ein wenig älter.


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