Von der Kunst des Gegenfragens - Die Theorie nach Lehrbuch  

Alex19372 80M
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4/13/2006 10:32 pm

Last Read:
4/24/2006 12:10 am

Von der Kunst des Gegenfragens - Die Theorie nach Lehrbuch


66venus66 fragte im Magazin die Leserinnen und Leser:

Ist eine Frage eine Unterstellung?
Warum werden Fragen gepostet?
Nun, ich denke mal um eine Antwort
zu erhalten.
Dies möchte ich ja auch jetzt mit
meiner Frage erreichen.
Damit unterstelle ich aber niemanden
den Inhalt meiner Frage, oder?

Veranlaßt mich der Inhalt der Frage,
warum auch immer, eine Gegenfrage
zu stellen, unterstelle ich dadurch
dem Fragenden etwas?

Ich denke, daß ich es nicht mache.

Was meint ihr dazu?

Ich kannte den Hintergrund des angedeuteten Disputs nicht genau und antwortete rein theoretisch:

Hallo Venus,
ich denke, die Kunst des Gegenfragens gehört in erster Linie zu den intellektuellen Mitteln, um vorab noch besser zu klären, welches Motiv, welche Zielrichtung, welches Detail der vorangegangenen Frage zugrunde liegt.

Beide - Frage und Gegenfrage - können so formuliert sein, dass der Gegenpart eine Unterstellung heraushören könnte. Es muß deshalb aber gar keine Unterstellung sein, jedenfalls
nicht zwingend.

Wer ganz uneigennützig um die klarer formulierte "bessere" Wahrheit ringt, denke ich, der / dem kann zunächst einmal Lauterkeit unterstellt werden können. Und da habe ich
mich schon selbst ertappt, ich habe etwas vorab angenommen, vermutet, unterstellt.

Frage und Gegenfrage können jeweils von Positionen ausgehen, die auf Irrtümern gründen oder aus Wertvorstellungen kommen, die nicht konsensfähig sind.

Ein dialektisch geschulter oder insoweit begabter Mensch gebraucht die Gegenfrage gerne als Waffe und hat damit oft wundersame Wirkungen. Das geschickte Gegenfragen zähle ich zu den hohen Künsten. Und auch ein Standard-Lehrbuch
wie "Die besten Reden von A - Z" würdigt den Rang:
Die Frage-Technik wird dort als die Königin, die Technik der Gegenfrage aber als Kaiserin der Dialektik eingeordnet.

Nachdem nun eindeutig geklärt ist, dass eine Frage oder Gegenfrage keine Unterstellung ist, allenfalls eine Unterstellung enthalten kann,
seien noch einige Vorteile des Gegenfragens erwähnt, die deutlich machen, dass es dabei vor allem um den Gesprächserfolg, die stärkere Überzeugung geht:

- Man gewinnt mit einer Gegenfrage unter Umständen Zeit, denn die Gesprächspartnerin muß ihre Frage eventuell neu formulieren.

- Nach einer Gegenfrage muß die ursprüngliche vielleicht doch präzisiert, verändert werden, was eine große Hilfe sein kann.

- Eine aggressive Gesprächspartnerin begründet eventuell ihre Ausgangsfrage, so dass sie nicht mehr beantwortet werden muß.

- Mit einer Gegenfrage kann die Beweislast der anderen Seite zugeschoben werden.

- Frau gibt kein Hintergrundwissen preis, denn Du kannst bei direkter Antwort möglicherweise Argumente unnötig verschenken, die die Gesprächspartnerin gar nicht hören wollte.

- Du teilst keine Einzelheiten mit, die ein unfairer Partner sofort gegen Dich verwenden würde.

- Du erhälst weitere Infos zum Background, die Dir helfen, die Frage leichter zu beantworten

- Vielleicht kannst Du Deine Gesprächspartnerin durch die Gegenfrage motivieren.

- Eine böse Unterstellung wäre es natürlich, wenn ich sagen würde, Du willst Deine Gesprächspartnerin mit der Gegenfrage verwirren.

- Du kannst Dein Gegenüber mit einer Gegenfrage in eine bestimmte, von Dir gewünschte Richtung lenken.

Dies kennst Du aber sicherlich alles und wolltes das gar nicht hören / lesen.

Doch zur Klarstellung noch eine Empfehlung aus dem schon erwähnten Dialektik-Lehrbuch
"Die besten Reden von A-Z". Es heißt dort unter anderem:

"Die Gegenfrage sollte in allen Situationen eingesetzt werden, in denen nicht klar ist, was gemeint ist, und in dem Moment, wo die Ursache von Kritik oder Aggressionen zu hinterfragen
ist."

Im Übrigen gilt aber zur "Gesprächskultur",
dass eine Frage nicht mit einer Gegenfrage beantwortet werden sollte. Sie ist immer nur in Ausnahmesituationen angebracht, jedenfalls wenn wir nicht unnötig nerven wollen und uns daran gelegen ist, den Charme des Miteinanders
zu bewahren.

Nichts für ungut.

Ein in nichtgenervterstimmunggrüßender
Alex19372

Venus antwortete mir:

Hallo Alex19372,
danke für den ausführlichen Kommentar.
Daß man eine Frage nicht mit einer Frage
beantworten sollte weiß ich. *smile

Nun, vielleicht wäre es besser gewesen
ein Beispiel zu nennen. Der Grund meiner
Frage war, daß die Frage nicht den Fragenden
betraf. Deswegen habe ich gefragt wie er zu
dieser von ihm beschriebenen Sache steht und
ob sie ihn erregt.

Dies wird mir als Unterstellung, Defamierung
und Rufmord vorgeworfen.

Naja, auch wenn wir uns nicht gerade lieben
kann ich diese Reaktion nicht nachvollziehen.

Ob er es mir nun glaubt oder nicht, dieses
so von ihm ausgelegte war nicht der Grund
meiner Frage.

Liebe Grüße, Venus

Es gab eine Vielzahl von Stellungnahmen, die mich veranlaßten folgendes zu schreiben:

@ALL

Wohl jeder Beitrag hier zeigt: Es geht wieder mal um ein Reizthema.

Insgesamt scheint es mir aber so, dass Venus - sie hat nur ein Drittel meiner Jahre - ob ihrer Kessheit in den Statements zu schlecht wegkommt.

Zur begrenzten Wirkung ihrer - wohl altersbedingt noch nicht ausgereiften - Strategie und ihrer Annahme, für eine aus ihrer Sicht doch guten Sache zu kämpfen, erinnere ich daran, dass Venus persönlich sehr wohl Demut eigen ist,ja sie sich zu ihren Schwächen bekennt (das kann nicht jede /jeder)und offensichtlich lernwillig ist, das ist auch nicht jeder und jede.

Ihr könnt dies nachlesen in meinem Blog (in der Verknüpfung zu ihrem Blog: „Wozu ist ein Profil gut“

"Hallo Alex,

lass mich doch bitte das sein was ich bin.
Eine ganz normale junge Frau mit allen
menschlichen Schwächen. Was du von mir hier siehst und liest sind nur Teilaspekte von mir.

Liebe Grüße
Venus"

Ich hatte sie zuvor wegen ihrer „Einzigartigkeit und Erhabenheit“ etwas auf den Arm genommen und das hat sie, wie ich finde, in aller Bescheidenheit recht ordentlich zurechtgerückt.
Der Text ist an dem angegebenen Ort veröffentlicht und erscheint hier noch einmal, weil er zeigt, dass es Venus in ihrem Eifer um etwas anderes, aus ihrer Sicht wohl Größeres
geht.

„Hallo kesse 66venus66,

die Du angeblich nur Beiträge von Männern bis 30 würdigen möchtest. Ich bin im 69.Lebensjahr, bin also etwa um`s Dreifache so alt wie Du, jedenfalls wie Du Deine Jahre vor- und angibst und habe mich hier verirrt.

Ich möchte mit 69 nicht verdorren, sondern lieber verbrennen,zum Beispiel an einer leidenschaftlichen, sinnlichen
und intelligenten Frau, die es nicht mit jedem treiben will. Ich kann das nur begrüßen, denn auch ich könnte nicht (mehr) mit jeder penetrieren, die ich mag und anschreibe,
denn ich würde mich langsam ruinieren.

Wie schon gesagt, mein stiller Wunsch ist es, an einem heißen Weibe zu lodern. Wenn Du dies Weib mir schon nicht sein kannst, nicht sein willst, welcher Frau könntest Du mich empfehlen?

Sie müsste allerdings Dir, Venus, wenigstens einigermaßen gleichen, an Dich nahezu heranreichen, Deiner Weisheit und Schönheit annähernd entsprechen. Kann es so eine Frau
überhaupt geben?

Nein, denn Du bist die Weiblichkeit an sich, nichts könnte besser, schöner, größer, erhabener das Wesen des Weiblichen verkörpern als Du. Und alle anderen sind fernab, schon nicht mehr erkennbar unter ferner liefen. So scheint es
mir jedenfalls.

66venus66, ich bitte Dich, kläre mich auf.

Alex19372“

Zusatz:
Venus, nichts für ungut!

Beste Grüße und frohe Ostern für alle
Alex19372




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