"Ich hab' schon zwei Frauen gehabt"  

rm_kavalier01 69M
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6/15/2006 6:56 pm

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10/28/2006 6:37 am

"Ich hab' schon zwei Frauen gehabt"

Fan-Fest Hamburg

"Ich hab' schon zwei Frauen gehabt"

Sam und Daniel aus Australien finden Völkerverständigung während der WM toll

Michel? Rathaus? Hafen? Von wegen! Wenn Fußball-Touristen zur WM nach Hamburg kommen, dann interessieren sie nicht die üblichen Sehenswürdigkeiten, sondern Bierstände, Video-Leinwände - und horizontale Vergnügungen.

Es ist so heiß, dass die Luft flirrt. Mit einem bisschen gesunden Menschenverstand sollte man in den Schatten flüchten und viel Wasser trinken. Aber es ist Fußball-WM in Deutschland, und da setzt man andere Prioritäten. Gesunder Menschenverstand gehört nicht unbedingt dazu. Jedenfalls kann man zu diesem Schluss kommen, wenn man sich derzeit zu Hamburgs größtem "Public Viewing"-Spot, dem riesigen Fifa-Fan-Fest auf dem Hamburger Heiligengeistfeld begibt.

Auch Mike, James und Chris aus den fernen USA finden Schatten derzeit unwichtig: "Hey, wir wollen Spaß haben!" Dazu gehört nach Ansicht der US-Boys tolles Wetter (vorhanden), toller Fußball (vorhanden), viel Bier (aber ja) und die Chance auf Gegengeschlechtlichkeit. "Daheim kriegen wir maximal einen geblasen - hier kann man gleich f*****," freuen sich die drei über die lockeren Sitten im 'alten Europa'. "Ich hab' gestern schon zwei Frauen gehabt."

So feiern die Fans

Doch, doch. Es geht schon auch um Fußball. Deshalb sind sie ja angeblich alle hier, bei der Fifa-Fansause mitten in Hamburg. Nett sieht es aus. Gar nicht ramschig oder billig. Sogar die Securitiy-Leute sind freundlich. Bude reiht sich an Bude, jede repräsentiert ein Teilnehmerland. Und so gibt es überall verschiedene Spezialitäten. Die Serben braten Cevapcici, bei den Brasilianern gibt es natürlich Caipirinha, und überall gibt es müde Thekenkräfte. Die Nächte sind gerade recht lang, hier im Norden.

Fußball ohne Bier? Geht nicht. Und wer richtig gutes Bier will, der ist bei den Tschechen richtig. Meinen zumindest die Australier. Das schwankende Grüppchen weiß, wovon es redet. No-go-Areas? Sicher nicht hier. Hier redet jeder mit jedem, und Wissen wird geteilt: "Natürlich sind die Steaks bei den Australiern am besten." Findet Chris - und er kennt sich aus. Er ist zwar erst vor zehn Stunden angekommen, aber in ungebremster Party-Stimmung. Jetlag? Unwichtig! Jedes weibliche Wesen wird stürmisch begrüßt. So viel charmantem Enthusiasmus können sich sogar schüchterne Japanerinnen nicht entziehen.

Respekt verdienen übrigens auch die einheimischen Besucher. Vielleicht liegt es an den Temperaturen, aber mit fast schon mediterraner Lässigkeit nehmen die ansonsten recht zurückhaltenden Hanseaten die Invasion feierfreudigen Jungvolks hin. Die wahre Devise lautet: Feiern - und feiern lassen. Jeder wie er mag.

Natürlich sind die Männer noch in der Überzahl, doch langsam spricht sich das Fan-Fest auch als Flirt-Location herum. Sandy und Nicole kommen aus Dresden, wollen sich nicht fotografieren lassen, sind sonst aber sehr aufgeschlossen: "Wir haben ein Zelt dabei. Gefällt uns einer, nehmen wir ihn mit," zeigen sie sich gastfreundlich. Besonders haben es ihnen die Männer aus Trinidad-Tobago angetan, die seien "so rassig". Aber auch Briten, Amerikaner und Australier finden sie "süß".

Süß sind auch die Schweden Michel und Peter. Sie wohnen in "Sweden-City", einem offenbar recht freizügigen Zeltlager außerhalb von Hamburg. Während sie schon die nächste Runde Bier klarmachen ("Ukrainisches Bier ist am billigsten") erörtern sie kenntnisreich die Wirkung von Wärme auf die Frauenpsyche: "Wenn die Sonne scheint, sind sie leicht zu knacken." Die Offenheit macht keinem der auskunftsfreudigen Männern Sorge, da sind sich Australier und Amerikaner einig: "Das kannst du ruhig schreiben, meine Mutter liest das eh' nicht." Doch jetzt ran an die Biere und auf zum nächsten Stand.

Während der Übertragungen sind die Budengassen fast ausgestorben, dann regiert König Fußball. So will die Zeit zwischen den Spielen genutzt werden. Denn dann regieren die Hormone. Auch Sam aus Sidney kann sich dem nicht so ganz entziehen. "Ich dachte immer, Deutsche seien steif, stimmt aber gar nicht," resümiert er. "Gut für mich, es gibt viele hübsche Mädchen." Wer nicht gerade aussieht wie Frankensteins kleiner Bruder, hat gute Chancen. Oder wie Marcel aus der Schweiz zusammenfasst: "Nach dem Schlusspfiff geht's zur Sache!" Ob sich das Fifa-Präsident Sepp Blatter so gedacht hat, mit der Welt zu Gast bei Freunden?



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