Teil 6  

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8/6/2005 11:06 am

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3/5/2006 9:27 pm

Teil 6

Nachdem Susanne aufgelegt hatte wunderte sich Christian nur noch über das was er eben selbst gesagt hatte. Er war sich bewusst das er sich da spontan auf etwas eingelassen hatte, was einer Spontaneität entsprach die er in seinem Leben vorher noch nie gezeigt hatte. Aber er fragte sich auch was denn sein würde, wenn etwas unvorhergesehenes in Spanien geschehen würde. Es drängten sich einige Fragen in ihm auf, deren Beantwortung er auf den jeweiligen Augenblick verschob und dann Situationsbedingt entscheiden wollte. Er arbeitete weiter, war hingegen auch nicht mehr ganz bei der Sache.
Susanne hatte in der Zwischenzeit aber halb Wesel auf die Beine gebracht. Sie war in einem Reisebüro Peitsch, auf der Hohe Straße in Wesel gewesen, und hatte dort ein Flugticket bei der Debonair Airways, Mönchengladbach/Barcelona hin und retour auf Christians Namen gebucht. Das Ticket wovon der Hinflug ehedem entfallen würde, hatte sie knapp 500,- DM gekostet. Das war auch für sie viel Geld, doch irgend etwas in ihrem Inneren trieb sie dazu dies zu tun und das war nicht nur ihr Wunsch nicht alleine fahren zu müssen.
Christians Mobiltelefon klingelte gegen 14:30 Uhr erneut. In der Erwartung das Susanne am anderen Ende der Leitung sei fragte er nur: ” Und wie ist es ausgegangen?”
Schweigen war die Antwort. Erst nach einer kurzen Schrecksekunde kam die Antwort: ” Sage mir jetzt bitte nicht das du gewusst hast, das ich das bin.”
”Doch Susanne, ich habe keinen anderen Anruf als den deinigen erwartet. Es war also eine Möglichkeit von eins zu Hundert das du es nicht gewesen wärest. Und wenn, hätte ich das dann schon noch gemerkt. Also junge Frau, was ist bei deinen Versuchen raus gekommen?”
”Ja also,” Susanne war immer noch leicht verwirrt, ” ich habe ein Rückflugticket für dich besorgt, leider aber erst für Montag Mittag. Du würdest also einen Tag später zurück kommen. Ginge das?”
”Du hast also schon ein Ticket gekauft. Was bleibt mir den da anderes übrig als ja zu sagen? So schnell habe ich denn auch noch keinen Urlaub gebucht. Nur das Ticket werde ich dir nicht auf einmal bezahlen können. Ansonsten freue ich mich wahnsinnig.
Wie machen wir das dann? Wann bist du denn dann wieder hier? Oder soll ich dich abholen?”
”Nein, bloß nicht! Meine Eltern sind von mir noch nicht darüber informiert worden das du mitfährst. Auch wenn sie es waren die mich erst auf diese Idee gebracht haben. Ich mache hier noch alles fertig und werde dann morgen Abend bei dir sein. So können wir dann am Freitag früh losfahren. Kannst du denn vielleicht auch noch ein paar Dinge besorgen? Dann habe ich nicht mehr so viel Arbeit.”
Susanne nannte Christian im Anschluss noch einige Kleinigkeiten, welche sie für ihren Urlaub noch unbedingt brauchte.
”Da werde ich mich morgen Früh auf meiner Dienststelle wohl schon Krank melden müssen, damit ich das alles geregelt bekomme.”, sagte er, nachdem er sich alles notiert hatte. ”OK Susanne, wir sehen uns dann also Morgen. Passe auf dich auf und keine Hektik verstanden?”
”Jawohl Herr Polizei. Du, ich freue mich wahnsinnig! Danke Chrissiebär, dass ist ganz lieb von Dir.”
”Nicht nur du.”, sagte Christian noch, aber da hatte sie schon aufgelegt. Nachdem er ebenfalls aufgelegt hatte schüttelte Christian seinen Kopf. So eine verrückte Sache, so ein verrücktes Weib, dachte er für sich. Ganz wohl war ihm bei dieser ganzen Geschichte aber immer noch nicht. Doch einmal zugesagt, hieß für ihn das es für auch kein zurück mehr gäbe. So setzte er sich also auf seinen Allerwertesten und machte sich eine Ablaufliste mit all den zu erledigenden Sachen für den Folgetag fertig.
Am nächsten Morgen dann, nach einer für ihn unruhigen Nacht, telefonierte Christian erst einmal mit seiner Dienststelle um sich für die nächsten zwei Tage krank zu melden. Dies brachte ihm das zusätzliche Vergnügen ein, das er an diesem Morgen auch noch zu einem Arzt gehen durfte um eine Krankmeldung zu bekommen, auf die sein Vorgesetzter bestanden hatte. Danach ging er Einkaufen, was ihn bis in den Nachmittag aufhielt. Er holte noch seine Wäsche aus der Reinigung ab, die er Morgens vorbei gebracht hatte, um sie dann bei sich zu Hause mit all den anderen nötigen Dingen einzupacken. Danach telefonierte er noch mit Victor und informierte ihn darüber was er und Susanne vorhatten. Dieser lachte schallend und wünschte Christian nur viel Erfolg und gute Erholung.
Gegenwärtig brauchte er nur noch auf Susanne zu warten, die gegen zwanzig Uhr dann auch bei ihm erschien. Sie aßen gemeinsam noch zu Abend und legten sich danach direkt zu Bett, weil sie am Morgen schon um sieben Uhr auf der Autobahn sein wollten. Doch es kam wie es nun einmal kommen musste, vor ein Uhr Nachts kamen beide nicht zum schlafen. Sie waren beide ausgehungert gewesen und wie zwei Tiere über einander hergefallen. Richtig geschlafen hatte am nächsten Morgen von beiden keiner und so dauerte alles etwas länger bis zu ihrer Abfahrt, als es eigentlich geplant gewesen war.
Es sollte eine vierzehnstündige Fahrt werden die nicht nur vom zeitlichen Aspekt her für beide belastend wurde. Denn kaum auf der Autobahn, Chris saß am Steuer von Susannes Wagen, musste er auch schon eine Vollbremsung hinlegen, weil vor ihm jemand einfach auf seine Spur heraus zog, ohne auf den nachfolgenden Verkehr zu achten. Susanne fühlte sich am frühen Morgen noch nicht so wohl, sie war ein sogenannter Morgenmuffel. Also raunzte sie Christian gleich bei dieser Gelegenheit an, er solle aufhören zu träumen. Wenn er so weiter machen wolle oder noch nicht ganz wach sei, könne sie ja fahren. An diesem Tage wurde von Christian ein Spruch geboren welcher in der Folgezeit, auch noch Wochen danach, sinngemäß wiedergeben sollte, das eine Schuld für irgend etwas nicht immer direkt bei seinem gegenüber zu suchen sei.
”Das war der Belgier Schuld!”
Susanne schaute verduzt und noch etwas verärgert, aber sie sah im gleichen Augenblick einen Wohnanhänger mit belgischem Kenn-zeichen vor ihnen quer über die Fahrbahn ziehen, ohne das dieser seinen Richtungsanzeiger benutzte.
Also entschuldigte sie sich bei Christian für ihren Ausraster, nicht jedoch ohne die Maxime auszugeben, er solle gefälligst nach vorne schauen während er mit ihr spreche. Sie habe halt etwas Angst und sie wäre sich ja auch noch nicht so bewusst wie gut oder schlecht er Auto fahren könnte.
Christian sagte zu all dem nichts. Er fühlte wie sie dachte und empfand, also zog er es vor zu schweigen.
Sie wechselten sich beim fahren alle vier Stunden am Steuer ab und fuhren so durch Süddeutschland, durch Frankreich, bis nach Spanien hinein. Susanne bestand allerdings darauf die letzte Teilstrecke selber zu fahren. Es wäre für sie wie ein Relikt, eine Art des nach Hause kommen, wenn sie hier hin käme. Christian fühlte die Wehmut die in ihren Worten nicht ganz ausgesprochen wurde und lies Susanne gewähren.
Christian und Susanne erreichten Abends gegen 21:30 Uhr das Haus ihrer Eltern. Christian sah ein kleines einstöckiges Haus mit einer Veranda zum Mittelmeer hin und war einfach überwältigt. Er sah einen Himmel, wie er ihn noch nie zuvor so klar gesehen hatte. Er hatte es wirklich getan. Er hatte auf seinen Job, der ihm sehr viel bedeutete, einfach gepfiffen. Er stand jetzt hier in einem ihm fremden Land und er war das erste Mal in seinem Leben mit einer Frau verreist, in die er von ganzem Herzen verliebt war und das machte für ihn diesen Moment zu etwas ganz besonderem. Er war so tief bewegt das er nicht spürte, wie Susanne von hinten an ihn herantrat.
”Und, gefällt es dir hier, Chrissielein?”
Sie nahm ihn von hinten in ihre Arme und stützte ihr Kinn auf seine Schulter. ”Sag nichts. Lasse uns einfach schweigen und diesen Traum gemeinsam erleben und genießen.”
Christian war noch immer zu keinem Wort fähig. In ihm bebte alles. Für diese Art von Gefühle konnte er keine Worte finden. Dann brach es einfach aus ihm heraus. ”Susanne, ich muss dir etwas von mir sagen. Ich bin...”. Susanne lies ihn nicht aussprechen. ”Du bist total überwältigt und bestimmt, genauso wie ich auch hundemüde. Aber vorher müssen unsere Sachen noch hereingeholt und das Bett frisch bezogen werden. Also, Herr Polizei. Dann mal los, sonst ist heut nichts mehr mit Bubu machen.”
Christian musste jetzt erst einmal tief durchatmen, denn er hätte Susanne beinahe die Wahrheit über sich erzählt. Nur gut für ihn das sie es so aufgefasst hatte. Lieber erst einmal ausschlafen, sagte er sich.
Die Zeit bis Sonntag Abend verging dann fast wie im Fluge. Sie unternahmen von Sight seeing über Shopping bis hin zum aalen in der Sonne, so ziemlich alles was in so kurzer Zeit möglich war. Susanne gab sich alle Mühe dieser Welt, um Christian so viel wie eben möglich in dieser begrenzten Zeit zu zeigen. Sie war auch nicht unbedingt ein Mensch der Stress bevorzugte, aber sie hatten ja nur drei Tage Zeit bis zu Christians Abreise. Am Sonntag Abend dann gestand ihm Susanne, dass sie sich nicht ganz wohl dabei fühlen würde die ganze Woche alleine verbringen zu müssen. Nach einigem für und wieder überkam es Christian einfach zu sagen, das wenn sie es gerne hätte, er ja dann auch vielleicht dableiben könnte. Sie müssten sich dann nur noch eine Ausrede für seine Dienststelle überlegen. Susanne verließ kurz das Zimmer, um es nach einer Minute wieder zu betreten. Sie blieb mitten in der Türe stehen und sagte schlicht und einfach: ” Und ich will es auch!”
Susanne hatte sich direkt wieder abgewendet und das Zimmer eiligst verlassen, als hätte sie Angst davor, dass er es sich noch einmal überlegen und dann absagen könnte.
Christian glaubte sich verhört zu haben. Gerade hatte sich für ihn mit diesem Urlaub, der eine Traum erfüllt und jetzt durfte er den nächsten Traum auch noch erleben, diesen also sogar bis zu Ende träumen. Er war selig als er hinter ihr her lief und sie auf der Veranda antraf, wie sie gehockt am Haus eigenen Bootssteg saß. Es bedurfte nicht vieler Worte und sie waren beide so mit einander beschäftigt, dass sie von der Umwelt nichts mehr mitbekamen.
Nachdem einige Zeit vergangen war und ihnen die großen Augen der benachbarten Menschen störend auffielen, bat er sie darum am heutigen Abend eventuell früher gemeinsam ins Bett zu gehen. Er sei wahnsinnig müde. Sie stimmte zu und so gingen sie gegen 21:00 Uhr gemeinsam ins Bett und schliefen, eng an einander gekuschelt, ein.
Christian überzeugte sich nach einiger Zeit davon, dass Susanne fest schlief. Dann stand er leise auf, zog sich eine Hose und ein Paar Schuhe an, nahm sich noch ein T-Shirt in seine Hände und trat auf die Veranda. Er blickte kurz und sehnsüchtig auf das Meer hinaus und verabschiedete sich im stillen davon. Er wusste nicht ob es noch ein Morgen für ihn geben sollte. Victor hatte ihm telepatisch kontaktiert und ihm etwas mitgeteilt, was selbst ihm zu glauben schwer viel. Kurze Zeit später flog ein riesiger Vogel, es sah eher nicht direkt nach einem Vogel aus, dennoch hatte dieses Etwas riesige Flügel, über das Spanische Land in nördlicher Richtung davon und viele die dieses Etwas sahen, fühlten sich von ihren Sinnen genarrt.

Just zur gleichen Zeit, geschah fern ab in Köln etwas ähnliches. Ein schwarzer Schatten glitt über die Domstadt in südlicher Richtung.
Kurz vorher hatte sich Victor noch von seiner Frau mit folgenden Worten verabschiedet:
”Es ist an der Zeit, Frau. Ich werde wohl nicht mehr als der zu dir zurückkommen, als der den du kennst und liebst. Seie tapfer, Amore mio und mache es mir nicht so schwer. Ich denke, ich werde es überleben. Nur das ich ein paar,... ach das ist halb so wild. Bis bald Renata. Ich liebe dich!” Er gab seiner Frau noch einen langen Kuss, riss sich von ihr los und trat auf seine Balkonveranda heraus. Er drehte sich dennoch einmal kurz um zum Abschied und schwang sich dann in die Lüfte. In der Nähe von Lyon, in Frankreich, wollte er mit Christian zusammen treffen. So hatten sie es am Nachmittag diesen Tages vereinbart.
Renata schaute ihrem Victor mit Tränen in den Augen, erschüttert über das was nun geschehen würde, nach. Ein anderer Winger hatte Victor zum Kampf um die Krone und somit um das Reich der Winger gefordert. Victor musste diese Herausforderung annehmen, das befahl ihr Gesetzt. Zu diesem Kampf, bei dem es nach den alten Gesetzten nur einen Gewinner gab, hatte er Christian zu seinem Sekundanten erwählt und ihn mittels Gedankenübertragung davon unterrichtet.
So standen sie nun zu viert, ca. 20 Km außerhalb der alten Stadt, am Rande einer alten Burgruine. Eine ritterliche Atmosphäre herrschte an diesem Ort und ihr Verhalten, war dieser Atmosphäre angepasst.
Christian war an diesem Nachmittag, wie bereits erwähnt, von Victor über dessen Position und das auf sie zukommende aufgeklärt worden. Er hatte gewusst das es einen Führer ihrer Rasse auf Erden gab, der alle Fäden in seinen Händen hielt. Jedoch war er schon überrascht das dies Victor sein sollte. Viele Worte verloren sie allerdings nicht hierüber, als sie sich dann über Frankreich getroffen hatten. Denn der Grund ihrer Zusammenkunft war seit Victors Telepathie Nachricht klar definiert. Victor gab Christian noch einen Brief in die Hand.
”Öffne ihn nur, wenn ich diesen Kampf nicht überlebe, Winger. Er enthält einen Brief für meine Renata und einen für dich, über dessen Inhalt du im Augenblick noch nichts wissen brauchst. Es sind Anweisungen für dich darin, was nach einem Ableben von mir zu tun ist. So lass uns zu ihnen gehen. Sollte ich diesen Kampf nicht gewinnen, öffne den Umschlag bittre erst wenn du alleine bist, damit niemand an dein Wissen geraten kann.” So gingen sie dann zu Victors Kontrahenten hinüber.

”Jean du Thomas,” stellte sich ihr Gegenüber vor. ” Mein Sekundant, Alberto Münster. Es ist mir eine Ehre, dass ihr erschienen seid, Nachfolger des Enum Steerns.”
”Victor de Bagno und mein Sekundant Christian Beck. Einer Nachfrage wie der euren, verehrter Jean du Thomas, durfte ich nicht aus dem Wege gehen, wie ihr wisst. Auch wenn so etwas seit Jahrhunderten nicht mehr vorgefallen ist. Doch sei es drum. Ihr habt mich gefordert und hier bin ich. Ich denke, die Modalitäten sind klar. Der jenige von uns beiden, welcher überlebt, soll unser Führer hier auf Erden sein.”
Christian fühlte sich nicht mehr wohl in seiner Haut. Es war ihm als schwoll ihm mit einem Male der Kamm und eine ungeheure Wut überfiel ihn dabei. Und obwohl keiner seiner Gesichtsmuskeln auch nur einen Tick tat, richteten die anderen drei ihre Blicke auf ihn.
Du Thomas wandte sich direkt an Victor. ”Ehrenwerter de Bagno, es muss nicht gestorben werden hierbei. Das sind überalterte Gesetze meine ich. Mit eurer gnädigen Zustimmung lasset uns den Kampf dann beenden, wenn der erste von uns aus dem Himmel fällt und nicht mehr selber hinauf kommt. Es steht frei unseren Sekundanten, denjenigen aufzufangen. Lasset uns also beide auf das Töten verzichten, denn wie ihr so auch von mir wisst, haben wir alle noch ein irdisches Leben und demzufolge auch Verpflichtungen.”
Victor dachte an seine Frau, im gleichen Moment wie sein Gegenüber. Sie schauten sich an und es war kein Hass mehr in ihrem Blick. Sie nickten einander zu und wussten, dass es für beide ein Morgen geben würde. Danach wandten sie sich voneinander ab und schritten mit ihren Sekundanten zur Seite.
”Du hast es gehört, Chris. Es wird keinen Toten geben. Du und der andere, ihr verhaltet euch so, wie es die Regel verlangt. Ich habe es dir ja gesagt, was deine Aufgabe ist. Nur mit der eben ausgemachten Änderung, die dich ja somit auch betrifft. Ich wünsche, das du dich an die Regeln hältst, egal was passieren wird. Und falls ich falle, greife bitte nicht daneben.” Das Letzte hatte Victor in einem Anflug von Galgenhumor gesagt, doch das Lächeln dabei von ihm, glich eher einer Fratze.
Victor begann mit seinen Flügel ein sirrendes Geräusch zu erzeugen wie es üblich war und die drei anderen Winger, fielen darin ein. Kurz darauf stiegen alle vier bis auf eine Höhe von ca. 20000 Metern auf. Also dorthin, wo wir Menschen weder atmen können oder mit unseren Flugzeugen hin aufsteigen können.
In einem solchen Kampf gab es eigentlich keine Regeln. Man schlug sich, mit allem was man hatte, bis das der Gegner Tod vom Himmel fiel. Doch hier war ja eine Ausnahmeregelung getroffen worden und so würden keine Waffen zum Einsatz kommen. Diese lagen unberührt am Fuße der Burg. Der Kampf währte nun schon seit einer halben Stunde und beide Gegner zeigten Wirkung. Ihre Schläge und ihre Angriffe hatten nicht mehr so viel Wirksamkeit, wie es zu Beginn des Kampfes der Fall gewesen war. Sie waren sich ebenbürtig und das wussten sie. In einer ungewollten Kampfpause, nachdem du Thomas durch den Schwung seines Stoßes, der Victor verfehlte, an diesem vorüber stürzte, schauten sie sich auf einer Distanz von ca. 150 Meter kurz an. Dann jedoch mit einem Mal, verfärbte sich das Gefieder von Jean du Thomas schwarz und auf den Höckern seiner beiden Schwingen, waren lange messerscharfe Krallen zu sehen.
Christian sah es vor Victor. Er hatte noch niemals zuvor von diesen Krallen gehört, bzw. gewusst. Er konnte noch gerade einen Warnruf an Victor ausstoßen, als er einen dumpfen Schlag an seinem Hinterkopf verspürte, der ihm fasst die Besinnung raubte. Er fiel einige hundert Meter tief herab und sah aber noch, wie Victor auf seinen Zuruf reagierte und ihm selbstlos nachstürzte. Dadurch entging er dem von du Thomas angesetztem Angriff ebenfalls.
Ehe das Victor ihn erreicht hatte, hatte sich Christian aber schon gefangen und schwang sich pfeilschnell wieder empor. Er war, wen verwundert dies, nun rasend vor Wut und bemerkte nicht das sich auch seine Flügel von weiß in schwarz verändert hatten. Christian hatte nur noch ein Ziel vor Augen. Er wollte diesem Alberto diese heimtückische Attacke heim zahlen. Seine Wut lies seine Muskeln in ein bisher noch nie erreichtes anschwellen.
Pfeil schnell schoss er nach oben an Victor vorbei, der Mühe hatte, ihm und seinen Flügeln auszuweichen. Es stellte sich Christian als erstes Victors Herausforderer entgegen, der seinerseits Victor nachgestürzt war. Christian spürte in seiner Wut nicht wie er Jean du Thomas, der keine Chance mehr hatte ihm auszuweichen, mit einem Hieb tötete. Er vernahm nur einen kurzen Schlag, den er noch nicht einmal richtig wahrnahm. Er wollte diesen anderen Sekundanten für dessen Heimtücke büßen lassen. Er erschlug diesen mit einem Flügelschlag und erst dann sah er, was mit ihm geschehen war und was er getan hatte.
Christian stieß ungewollt einen Urschrei aus, der Kilometer weit zu hören war. Erst danach kam er wieder richtig zur Besinnung und da war Victor auch schon an seiner Seite. „Komm schnell.“ Victor riss Christian mit herunter. „Wir müssen sie beide auffangen, ehe sie auf der Erde aufschlagen.“ So stürzten sie den toten Kontrahenten hinterher. Nachdem sie die beiden am Rande des Gemäuers niedergelegt hatten, waren sie beide total erschöpft zu Boden gesunken. Schweigend sahen sie einander an und es dauerte eine Weile ehe Victor das Schweigen brach.
”Willkommen du zukünftiger Herrscher aller Winger.”, sagte er. ”Nun kennst du fast alle Geheimnisse unserer Geschichte und unseres Volkes. Doch noch ist es nicht ganz soweit das ich dich beerben kann und werde. Du bist noch nicht so weit und musst noch viel lernen. Ich werde dir alles beibringen was du wissen musst, um der nächste Nachfolger des Enum Steerns zu werden. Ja Christian, du bist der Auserkorene und du wirst bald meine Nachfolge antreten, bald mein Sohn. Versuche aber allen Wiedersinn zum Trotz, noch nicht daran zu denken und fliege nun wieder zurück zu deiner Braut. Ich werde ihre erst einmal ihre Leichen beseitigen, so dass niemand sie findet und das sie ihn Frieden ruhen werden.”
Christian war sich des Moments bewusst und er sprach: ” Victor, lasse uns dies gemeinsam tun. Wir haben alle gekämpft, also werde auch ich ihnen die letzte Ehre erweisen. Gerade ich, denn ich war es der sie erschlug.”
So flogen sie gemeinsam, Seite an Seite, mit den Leichen in das Gebirge der Pyrenäen davon und verbrannten sie dort nach altem Ritus die leblosen Körper ihrer Gegner und Gedachten der Ahnen. Sie erwiesen ihnen somit eine Ehre, die sie eigentlich nicht mehr verdient hatten, doch niemand durfte sie finden. Danach trennten sie sich wieder, um in zwei verschiedene Richtungen zu entschwinden.
Zwei verschiedene Richtungen, zwei verschiedene Köpfe und doch ein Sinnen und ein Trachten und ein einheitliches Ziel:
Den Mächtigsten, aller Wingers, den es je gegeben hatte, seit den Zeiten eines Enum de Sterns, an den nur für ihn angestammten Platz zu bringen! Dieser Winger hatte heute seine Letzte große Prüfung bestanden, ohne das man sie ihm hatte lehren müssen. Was ihm jetzt noch fehlte, war das feine Wissen und das Gespür für das Leben als Herrscher.

Victor sah schon aus der Ferne, das seine Frau auf ihn wartete. Sie musste die ganze Nacht hindurch kein Auge zugemacht haben, denn es war schon früh am Morgen . Sie saß auf der Balkonveranda an ihrem kleinen Tisch und hatte vor sich eine Kerze stehen, die schon fast abgebrannt war.
Renata de Bagno vernahm ein Rauschen in der Luft. Es war nicht das Rauschen des Windes, nein, sie wusste dieses Rauschen zu deuten, denn so ein Geräusch kannte sie mehr als genau. Sie sprang in freudiger Erwartung auf und schaute sich suchend im Himmel um. Der Morgen graute und es zeichnete sich schon der Beginn des Sonnenaufganges am Horizont ab. Dann sah sie einen großen Schatten über sich und im gleichen Moment rief eine ihr so vertraute Stimme nach ihr. Renata hatte Tränen in den Augen, als ihr Victor sie in seine Flügel einbettete und an sich drückte.
”Victor,” stammelte sie, ”du lebst! Gott sei es gedankt, du bist wieder daheim. Sag Victor, fehlt dir etwas?”
”Nein.”, sagte er. ” Mir fehlt nichts. Ein paar Kratzer vielleicht, aber ansonsten bin ich wohlauf.
Doch nicht nur Gott sei es gedankt, Renata. Der Dank gebührt eher jemand anderem! Ich war es nicht, der diesen Kampf entschieden hat, es war Christian! Er war es, der eingriff, als mit unsauberen Mitteln gekämpft wurde.
Aber lasse uns nun herein gehen, denn ich möchte jetzt erst nur noch schlafen. Ich bin alt und müde von allem. Ich erzähle es dir alles, das sich zugetragen hat, später.”
Victor hatte sich schon während er sprach wieder zurück verwandelt. Renata kannte diesen Anblick und so lies sie sich dann von ihm, von der Veranda wieder in die Wohnung führen. Victor ging noch nicht einmal mehr duschen, wie er es sonst jeden Abend vor dem zu Bett gehen tat. Er ließ sich auf das Bett fallen und schlief augenblicklich ein. Renata legte sich behutsam neben ihn und kuschelte sich an seinen Körper. Sie besah sich seine Wunden, die, bis auf ein paar stärkere Prellungen, nicht sehr schlimm aussahen. Dann deckte sie, sie beide mit einem Lacken zu und schlief gleichfalls ein. Es war ein sehr tiefer und unruhiger Schlaf, den sie hatte. Sie war durch die durchwachte Nacht und durch ihre Sorge um ihren Mann, um Jahre gealtert, so sehr hatte sie das ganze mitgenommen. Victor würde ihr nichts mehr erzählen müssen, denn sie träumte in dieser Nacht von dem, was geschehen war. Er erzählte es ihr, in ihren Traum und sie erlebte alles mit, wie es sich aus seiner Sicht zugetragen hatte. Sie sah Christian und Victor das erste mal in ihrem Leben so, wie wir Menschen uns vielleicht einen Racheengel vorstellen können und sie war schockiert. Denn diese Seite der Macht kannte sie nicht an ihm und hatte sie auch nie kennen lernen wollen.

Es graute schon der Morgen hinter den Pyrenäen, als Christian das Ferienhaus von Susannes Eltern wieder erreichte. Er hatte sich nicht sonderlich beeilt, war mehr unbewusst in die richtige Richtung geflogen und hatte sich nur zwischenzeitlich anhand von charakteristischen Merkmalen der Landschaft unter ihm orientiert. Als er noch ca. 200 Meter vom Haus entfernt war, sah er wie im Schlafzimmer des Hauses gerade das Licht angeschaltet wurde.
Sie wird mich suchen, dachte er entsetzt. Verdammt, was mache ich den jetzt? Doch dank einer inneren Eingebung, überflog er die Veranda und ließ die Kleidungsstücke die er bei sich trug, einfach auf einen Liegestuhl fallen. Dann drehte er wieder ab, um auf das Meer hinaus zu fliegen. Er flog dicht über dem Wasser und nach ca. 100 Metern tauchte er aus dem Flug in die Wellen ein.
Susanne erwachte wohl gelaunt an diesem Morgen und griff suchend neben sich. Doch dort lag niemand und sie griff dem zu Folge ins Leere! Also stand sie verwundert auf und ging zuerst zur Toilette. Er wird wohl schon auf der Veranda sein, dachte sie und nach dem Pipi machen ging hinaus auf die Veranda, um nach Christian zu schauen. Sie fand aber nur dessen Kleidung vor. Relativ unordentlich über einem Liegestuhl liegen. Susanne nahm die Hose und den Rest verwundert auf und schaute suchend umher. Genau in dem Moment, als sie mit den Kleidungsstücken in den Händen wieder ins Haus zurück gehen wollte, hörte sie vom Bootssteg her Christians Stimme.
”He du Dieb, lass mir wenigstens meine Unterhose da liegen. Das ist mein bestes Stück, das ich habe. Die ist von Thomas, einem Geschäft aus Münster.” Danach vernahm sie ein dumpfes anschlagen am Bootssteg und einen unartikulierten lauten Fluch Christians. Erschrocken lies sie alles fallen und lief sie hinüber zum Steg. Sie sah wie er sich seinen Hinterkopf hielt und ein schmerzverzerrtes Gesicht zog.
”Hast du dir was getan, Christian?”, fragte sie erschrocken.
”Ja ich habe mir blöder weise meinen Schädel angebummst! Der tut mir jetzt weh, als hätte ich die ganze Nacht durchzecht!
Susanne schaute lachend zu ihm herab. ”Das hast du dann wahrscheinlich auch und weil du nicht auffallen wolltest, bist du heute Morgen noch schnell baden gegangen. Komm endlich aus dem Wasser raus, du Held.”
Sie strich ihm immer noch lachend über seinen Kopf, doch als sie seine Beule am Hinterkopf fühlte, wich ihre Hand erschrocken zurück und ihr Lachen erfror.
”Oh mein Gott, Christian. Das sieht aber gar nicht gut aus. Komm schon, lass uns ins Haus gehen. Dann legst du dich erst einmal hin und ich kümmere mich sofort um dich. Hoffentlich hast du keine Gehirnerschütterung! Nun komm schon!”
Mit Schmerz verzerrtem Gesicht, doch aber erleichtert darüber das sie ihm seine Geschichte abnahm, folgte Christian ihr dann in das Schlafzimmer.
”Sollen wir nicht lieber gleich zu einem Arzt fahren?”, fragte sie ihn zuerst. ”Christian, wenn du nun doch eine Gehirnerschütterung haben solltest, meinst du nicht auch, es wäre besser einen Arzt zu konsultieren?” Susanne war richtig aufgelöst und in ehrlicher Sorge um ihn.
Christian wurde sein Märchen langsam richtig peinlich. Doch was sollte er denn machen? Die Wahrheit hätte Susanne eh noch nicht verstanden. Er zerbrach sich seinen Kopf, doch jetzt war der richtige Zeitpunkt für die Wahrheit noch nicht gekommen.
”Nein Susanne, ich werde meinen Kopf erst einmal kühlen und etwas schlafen. Danach sehen wir dann weiter. Kümmere dich bitte nicht so stark um mich und mache dir keine solchen Sorgen um mich, das wird schon wieder. Ich möchte, das du dir heute erst einmal überhaupt keine Sorgen mehr um mich machst. Du wirst sehen, die Beule geht genau so schnell wieder weg wie sie gekommen ist! Mach dir bitte einen schönen Tag und fahre dir heute etwas Schönes kaufen. Zum Beispiel das eine Kleid aus der Versace-Kollektion, das dir so gut gefallen hat. Dann kannst du auch gleich einmal in Ruhe bummeln gehen und erholst dich einmal etwas von mir. Ich werde in der Zwischenzeit ein Nickerchen machen und heute Nachmittag, wenn es mir wieder besser geht, gehen wir einmal schauen, wie viele Terrakotta- Töpfe wir für dich und deine Mama finden. Ich möchte ein wenig alleine sein.”
Susanne verstand seine Handlungsweise nicht, doch akzeptierte sie seinen Wunsch. ”Wenn das so ist, gehe jetzt erst einmal duschen.” sagte Susanne leicht beleidigt darauf und ging ins Bad. Als sie wiederkam, lag Christian auf der Seite und schlief tief und fest. Sie rüttelte leicht an seiner Schulter, doch Christian grunzte nur einmal kurz. Das war seine einzige Reaktion darauf. Susanne ließ also von ihm ab. Sie cremte sich ein, trank dann einen Kaffee und verließ danach das Haus und fuhr einkaufen. Ihr gefiel sein Vorschlag und es tat ihr gut, wieder einmal für sich alleine zu sein. Sie fuhr nach Gironah, wo sie noch am Samstag mit Christian zusammen das Weltberühmte Dali-Museum besichtigt hatte. Sie bummelte bis spät in den Nachmittag herein um dann, von Sorge um Christian erfüllt, wieder zum Haus zurückzukehren.

Christian hatte noch einige Zeit gewartet, ehe er sich sicher war, dass Susanne nicht noch einmal zurück kam. Dann stand er leise auf und ging hinaus auf die Veranda. Ein Spaziergang würde ihm wohl gut tun, dachte er und ging den Strand entlang bis das er zu einer einsamen Grotte gelangte. Christian schaute sich suchend um ob er denn auch wirklich alleine war. Dann fühlte er nach seiner Beule und gleichzeitig lag ein wundersames Summen in der Luft.
Christians Körper war in gleißendes Licht gehüllt und je mehr er sich konzentrierte, um so mehr nahmen diese Erscheinungen zu. Als er seine Hand von seinem Kopf nahm, verfiel das Licht und das Summen. Eine gespenstische Stille lag jetzt über ihm. Nachdem er sich kurz umgeschaut hatte, nahm er auf einem Felsblock platz. Seine Gedanken schweiften zwischen Susanne und dem Erlebten der letzter Nacht hin und her. So viel neues brach über ihn zusammen und damit fertig zu werden war nicht einfach. Jedoch verstand er Victor immer mehr und im Grunde genommen verneigte er sich innerlich vor dessen Stärke. Christian ging Heim. Er hatte gerade auf der Veranda platz genommen, als Susanne wieder vorfuhr.
”Ich bin wieder zu Hause!”, sagte sie nur. Beide schauten sich darauf hin kurz an, um danach in ein schallendes Gelächter zu verfallen. Sie hatte von einem zu Hause gesprochen. Intuitiv hatte sie also einen gemeinsamen Bezug zwischen Christian und sich gebracht. Doch Christian konnte in der Folgezeit nicht mehr so unbefangen sein wie vor seinem Erlebnis und Susanne konnte dies nicht verstehen. Sie stellte sich selber in Frage.

Daheim in Köln hatte Harald Lorsch mittlerweile auch bemerkt, dass Susanne nicht mehr da war und er hatte begonnen herumzuschnüffeln. Dabei hatte er per Zufall eine Kollegin aus Susannes Schule getroffen, die auch noch ausgerechnet davon wusste, das Susanne in Spanien war. Gott sei Dank, war sie nicht über Christian informiert und konnte dies also nicht auch noch verraten So ging Harald also davon aus, dass Susanne allein in Spanien war, oder mit einer ihrer Freundinnen.
Er kannte das Haus ihrer Eltern und wusste auch wo es lag. Der Gedanke selber ebenfalls dort hin zu fahren, war in ihm schnell geboren. Doch zeitlich war das nicht unbedingt mit seinem Beruf zu vereinbaren. Es würde nur eine Möglichkeit am nächsten Wochenende geben, doch Susannes Kollegin hatte ihm gesagt, das Susanne dann schon wieder zurück sein wollte und so beschloss er abzuwarten.
Harald hatte es sich felsenfest vorgenommen, Susanne wieder für sich zu gewinnen, koste es was wolle. Es stand ja eh noch eine Woche Kurzurlaub in den Herbstferien aus, die sie gemeinsam hatten verbringen wollen. Er wusste das Susanne sich darauf gefreut hatte. Harald bedachte nicht, dass sich bis dahin noch sehr vieles zwischen ihm und Susanne ändern sollte und das gewisse Ereignisse, sogar eine Wandlung seines Lebensstils hervorbringen sollten.
Das hinderte ihn allerdings nicht daran, einen schönen Abend mit der Susannes Kollegin zu verbringen und, Gelegenheit macht ja bekanntlich Diebe, gleich eine ganze Nacht mit ihr hinten dran zu hängen. Am nächsten Morgen war er darüber dann doch sehr ernüchtert, genauso wie sie auch und sie beschlossen das diese Nacht offiziell nie stattgefunden hatte, was Harald dann natürlich sehr gelegen kam. Niemand sollte je nach dem wieso und weshalb fragen. Mit einer Frau seiner Wahl zu schlafen, war für ihn einfach eine Sache, wie sie eben passieren konnte und es ging niemanden außer ihn etwas an, das er es mit der Treue nicht so ganz genau nahm.

Es gab aber noch jemanden außer Harald in der Heimat, der sich vehement Gedanken über Susanne machte. ”Schätzecken”, Albert Waas hatte eine Beziehung mit kleinen zierlichen Frau, welche zwar ehrlich in ihn verliebt war, doch genau so schwierig war sie auch. Ihre Eifersucht, nahm ihr sehr viel von ihrer Persönlichkeit. Sie war eifersüchtig auf Susanne und ihren Albert. Er hatte schon den einen oder anderen schönen Tag oder Abend mit Susanne verbracht. Für Susanne, die ihn einfach nur gut leiden konnte, war kein ernsthafter Hintergedanke dabei im Spiel gewesen. Doch Alberts langjährige Freundin wurde dadurch eifersüchtig auf Susanne. Sie hörte von Seiten Alberts nur, wie unkompliziert die Abende mit Susanne wohl gewesen wären und das er sich dabei auch sehr wohl gefühlt hatte. Ihre Eifersucht belastete ihre Beziehung dann derart, das irgendwann in Albert die Idee wuchs sich von seiner Freundin Dorte zu trennen. Susanne hatte bisher eine gute Meinung von Albert gehabt. Doch als sie später von ihm erfuhr, dass er eigentlich ihretwegen seine Beziehung gelöst hätte und das auch noch am Telefon, war es bei Susanne für Albert vorbei. Er führte sie zwar nur als Mitgrund seines Beziehungsabbruches auf, aber selbst das war für Susanne schon zuviel. Den Fehler den Susanne sich aber ankreiden lassen musste, war das sie Albert nicht direkt sagte wie sie zu ihm stand, nämlich nur freundschaftlich. Dieser Fehler sollte dann später fast ein Menschenleben kosten.
Susanne und Christian saßen am vorletzten Abend ihres gemeinsamen Urlaubs auf der Veranda. Der Rest ihres Urlaubs war nicht mehr so harmonisch verlaufen, wie er begonnen hatte. In den freien Minuten in denen sie beide entspannen konnten, sprich also fast die ganze Zeit, hatte Christian einen bedrückten Eindruck gemacht. Susanne fragte sich nach dem warum und richtete diese Frage dann später auch an ihn. Sie war der Meinung das er über ihre gemeinsame Beziehung nachdachte und damit wohl nicht klar kam. Susanne aber wollte Gewissheit. In ihr waren Gefühle für diesen Mann aufgekommen, die sie sehr lange in sich vermisst hatte und zu denen sie sich nicht mehr fähig geglaubt hatte Also wollte sie wissen, wie es bei Christian um sie stand, als sie ihn fragte: ” Sag einmal, Herr Polizei, was ist los mit dir? Irgend etwas bedrückt dich doch. Hat das vielleicht mit mir zu tun?” Christian war ein wenig ratlos. Was sollte er Susanne denn darauf antworten? Er konnte ihr unmöglich sagen was ihn wirklich bewegte. Seine Gedanken weilten in der Zukunft, für die er Tag für Tag hinzu lernte. Natürlich machte er sich auch seine Gedanken über ihre gemeinsame Zukunft, doch diese war für ihn eigentlich schon eine beschlossene Sache, über die er nicht mehr zuviel nachdenken musste. Das einzige Problem was Susanne anging und welches ihn bedrückte war die Frage, wie sag ich es ihr und wann. Es war seit ihrer Ankunft in Spanien schon zweimal beinahe so weit gewesen, das er ihr die Wahrheit über sich sagen wollte, doch jedes mal hatte ihn die Angst davor, dass Susanne ihn dann aus Furcht verlassen könnte, davon abgehalten. ”Nein Susanne, ich grübele nur ein wenig über meine Zukunft nach. Was soll ich dir sagen, mein Job bringt so etwas halt mit sich und ich freue mich überhaupt nicht darauf das wir übermorgen, am Samstag, schon wieder zurück fahren müssen und ich am Montag wieder Arbeiten muss. Du siehst, das hat alles nichts mit dir zu tun!” ”Aha, Christian, so wie ich das jetzt verstehe, über unsere Zukunft machst du dir dann also keine Gedanken, oder was? Die hat ja dann wahrscheinlich auch nichts mit mir zu tun oder wie sehe ich das?” Christian war leicht verstimmt über diese dreiste Fehlinterpretation seiner Worte und trotzdem das er ihre Bedenken, jetzt wo er sich auf sie konzentrierte verstand, antwortete er im gleichen Tonfall.
”1.) junge Frau, mache ich mir auch schon einmal Gedanken über Dinge, bei denen du mir noch nicht helfen kannst, weil du mich noch nicht so gut kennst, 2.) merke es dir bitte, ich bin so in dich verliebt, wie ich es noch nie zuvor bei einer anderen war, was du eigentlich wissen solltest, weil ich dir das schon gestanden habe und 3.) warte bitte noch etwas ab, dann wirst du vielleicht auch verstehen lernen, wie ich wirklich bin und warum ich dann manchmal auch etwas Komisch reagiere.” Susanne schaute nun leicht bedröppelt drein. Christian spürte, das er ein wenig zu weit gegangen war, also nahm er sie in den Arm und flüsterte ihr in ihr Ohr: ”Verzeih, Engelchen! Ich bin im Moment einfach ein bisschen angespannt und da kannst du überhaupt nichts dafür. Es war falsch von mir so zu reagieren und dich zu verletzen. Es tut mir ehrlich Leid!” Er nahm sie in seine Arme und hob sie empor. ”Komm mit meine Prinzessin, ich werde dir im Bett eine Gute Nacht Geschichte erzählen, wie du sie noch nie erzählt bekommen hast. Von einem Volk, das von sehr weit her kommt und das eine neue Heimat suchen musste und sie auch fand. Sie sehen aus wie wir, sie leben wie wir, doch sie sind eine ganz besondere und alte Spezis, die einige ganz besondere Eigenschaften in sich birgt. Pass auf Susanne, diese Geschichte wird dir gewiss gefallen.”


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