Der Beginn einer Geschichte (next part)  

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8/3/2005 12:09 pm

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3/5/2006 9:27 pm

Der Beginn einer Geschichte (next part)

Polizeihauptstation 1 Köln Waidmarkt. Aus dem Portal tritt ein grosser Mann hervor. Christian Beck hatte um 16 Uhr Dienstschluss. Es war ein, nicht nur von der Temperatur her, heißer Tag gewesen. Christian war verschwitzt und seine Uniform klebte ihm förmlich an seinem Körper. Er wünschte sich nichts sehnsüchtiger herbei als seine Dusche. Wer aber ist Christian Beck?
Er ist 32 Jahre alt und lebt allein in einer 45 qm Wohnung. Christian Beck hat in seinem bisherigen Leben schon einiges erlebt und gesehen. Er kannte die Menschen und deren Manier besser, als mancher Psychologe sie in den meisten Fällen je hätte beurteilen können. Aufgrund dieser, seiner langjährigen Erfahrungen im Umgang mit den Menschen, kannte er sich zudem auch sehr gut mit den mannigfaltigen Charakteren der menschlichen Rasse aus. Diesem Tatbestand verdankte er es somit, unerkannt unter uns Menschen zu Leben. Es half ihm die Menschen zu durchschauen, ihre Gedanken zu erahnen und zu spüren ob sie es ehrlich mit ihm meinten wenn sie zu ihm sprachen. Christian lebte nun seit fast drei Jahren in Köln. Er sah aus wie jeder andere Mensch auch. Im Ganzen war er also zwar ein sportlicher doch eher ein unauffälliger Mensch.
Seine Profession war Polizist und er versah Tag für Tag seinen schweren Dienst im Alltagsjungle seiner Wahlheimat. Die Mentalität der Menschen, welche hier in und um diese Stadt herum lebten, kam ihm und seiner Lebensphilosophie sehr nahe. Er fühlte sich dadurch bedingt in Köln sehr wohl. Das vorhandene Freizeitangebot kam ihm für seinen Körperbau und somit für seinem Beruf stark entgegen. Leidenschaftlich gerne verspendete er seine Freizeit mit Dingen wie Jogging, Fahrrad fahren und Schwimmen. Ebenso ging Christian gerne aus, denn die Palette des Ausgangsangebotes an Theatern, Kneipen, sowie diverser Tanzlokale war hier ebenfalls sehr reichhaltig. Das einzige was nicht zu seinem guten Aussehen passen wollte, war die Tatsache dass er eine Art Dauersingle darstellte. Nicht das er sich nicht für das andere Geschlecht interessiert hätte, aber bis auf einige Gelegenheitsbekanntschaften, hatte er sich einfach noch nicht festlegen wollen. Doch er ging überhaupt nicht darauf ein, wenn ihn seine Kollegen darauf ansprachen. Ich habe halt meine Gründe dafür, sagte er dann zu ihnen.
„Pressen sie Beate!“ Die Hebamme war voller Enthusiasmus im Gegensatz zu der Frau, welche hier in ihren Wehen lag. Die Geburt zog sich nun schon seit knapp sechs Stunden hin. „Ja, das Köpfchen ist schon zu sehen. Jetzt müssen sie pressen Beate, es kommt.“ Mit einem schiefen Seitenblick auf den Mann, der neben Beate Nitsch stand rief sie ihm zu, „Helfen sie ihrer Frau gefälligst, oder sind sie nur zum zuschauen hier?“ Dieser stand ziemlich verworren und verloren neben Beate und hielt hilflos ihre Hand, was ihn aber nicht davon abhielt alle fünf Minuten auf seine Uhr zu schauen. „Wenn sie noch etwas vorgehabt haben sollten, hätten sie sich das eher überlegen sollen. So Beate, noch einmal feste pressen und sie haben es geschafft!“ Beate stöhnte laut auf und tat instinktiv das was die Hebamme von ihr verlangte. Ihre Fingernägel krallten sich dabei in Haralds Hände, der nun ebenfalls laut aufstöhnte. Danach sackte sie erschöpft zusammen und hörte wie aus weiter Ferne die Worte der Hebamme. “Herzlichen Glückwunsch Beate, es ist ein Mädchen!“

Am gleichen Abend fand er sich in einem sehr noblen Restaurant, mit dem Namen ” La Vera” ein. Christian genoss es in angenehmer Atmosphäre und gepflegt zu speisen. Das Lokal gehörte einem sehr guten Bekannten von ihm, mit dem er hier gemeinsam schon so manches Glas geleert hatte. Victor de Bagno hatte dieses Lokal im Frühling 1997 mit einer großen finanziellen Investition eröffnet und schrieb jetzt im Sommer 1998 schon schwarze Zahlen. Regelmäßig einmal in der Woche ging Christian zu Victor ins ”La Vera”, um mit ihm gemeinsam im Lokal zu speisen. Während sie dann beisammen an einem der Tische saßen, besprachen sie meist die Ereignisse der vorangegangenen Woche, erörterten diverse Probleme, planten kleinere gemeinsame Projekte oder sie lachten über alte Geschichten. Im Grunde genommen standen sie sich wirklich sehr nahe, doch den wahren Grund hierfür kannte außer ihnen nur einige wenige Eingeweihte.
An diesem besagten Abend betrat, während sie da erzählend beisammen saßen, von ihnen unbemerkt eine elegant gekleidete Dame das Lokal. Sie trug ein langes, enges und ärmelloses Designer Kleid um das in Bauchhöhe ein hellblaues Jeanshemd geschwungen war.
Sich suchend umschauend trat sie durch die Eingangstür und ging von dort aus an den Empfang. Sie sagte etwas zu dem sie freundlich anlächelnden Angestellten und wurde danach an einen Tisch geführt, der schon für zwei Personen gedeckt war.
Sie saß somit Christian nun direkt gegenüber, ohne das er richtig von ihr Notiz nahm, da er im Moment sehr stark in seiner Speisekarte vertieft war. Dies so ziemlich fern ab von allem irdischen. Während er in der Karte las, registrierte er zwar wie jemand an seinem Tisch vorbei geführt wurde, doch für ihn war die Speisekarte in diesem Moment wichtiger als alles andere. Er verfügte an diesem Abend über einen ausgezeichneten Hunger, den er selbst mit animalisch bezeichnet hätte, wenn man ihn denn danach gefragt hätte.
Nachdem Christian seine Wahl getroffen hatte, hob er zufrieden grienend seinen Kopf. Als er aber dann seinem Freund Victor seine Auswahl mitteilen wollte, traf es ihn urplötzlich. Wie mit einem gewaltigen Hieb. Sein Herz begann mit einem Male zu rasen und in seinem Kopf schwindelte es dabei wie nach einer durchzechten Nacht.
”Was ist denn nun mit einem Male mit dir geschehen?”, fragte Victor erstaunt. ”Du schaust aus, als hättest du gerade eben eine übermenschliche Erscheinung gehabt. Oder steht hier gar etwas Neues auf meiner Speisekarte von dem ich noch nichts weiß?”
”Da”, stammelte Christian nur. Sein Mund stand bei diesem einen Wort weit offen und seine Augen fixierten dabei diese adrette junge Frau, welche ihm nun ca. zwei Meter entfernt gegenüber saß. Sein Verhalten fiel aber nicht nur Victor auf.
”Sie haben zwar ein sehr schönes Gebiss, junger Mann, doch sie sollten den Mund jetzt vorsichtshalber wieder schließen, sonst gibt es einen Durchzug in dem selben und ihnen fallen glatt noch die Zähne raus.”
Das war sehr streng gesagt. Dazu in einem relativ kühlen sowie abweisenden Ton. Dennoch es war Christian dabei so, als würde er durch den Klang ihrer Stimme von einem sehr warmen Luftzug gestreichelt. Immerhin und gerade wohl auf Grund dieser Tadel angeregt, fasste er sich relativ schnell wieder und schaute beschämt zu Boden. Wenn nun auch etwas leicht irritiert, wandte er sich dann wieder Victor zu, welcher ihn unverhohlen angrinste.
” Sage jetzt einfach nichts Christian, ich kann dich auch ohne Worte verstehen. Wäre ich nicht schon glücklich verheiratet, so würde es mir bestimmt nicht anders ergehen als gerade dir im Augenblick. Sie ist wirklich sehr gutaussehend und dazu auch überaus elegant gekleidet.” Christian schüttelte hierzu übermotiviert seinen Kopf.
„Sie ist nicht nur gutaussehend Victor, sie ist einfach wunderschön. Spürst du das denn nicht? Diese Aura, diese Augen und diese Stimme. Victor halt mich bitte fest, sonst mache ich bestimmt gleich noch eine große Dummheit.“ Er schaute Victor hilflos und verlegen an. „Was meinst du wohl, ob sie wohl heute Abend alleine bleibt? Nein so eine Frau geht bestimmt nicht alleine aus!”, sagte er dann mehr zu sich selber.
”Nun sag doch, Victor, was soll ich denn jetzt tun? Ich muss diese Frau heute einfach kennen lernen. Wer weiß, ob mir so eine solche Wahnsinnsfrau in meinem Leben noch einmal begegnet?”
Während Victor nun in aller Ruhe die Speisekarten vom Tisch nahm, sagte er in einem beruhigenden sowie tiefen Klang seiner Stimme:
”So, Herr Beck, ich begebe mich nun erst einmal zur Küche und bestelle für uns etwas zu essen. Du wirst sehen, dies beruhigt die Nerven, den Magen und das besonders das Herz.

Danach wollen wir einmal schauen, was wir für dich tun können. Nur guck nicht so bedröppelt und schon gar nicht so stetig zu dieser Dame hin. Das La Vera ist ein nobles Lokal und keine billige Hausfrauenbörse! Versuche das bitte in unser beidem Sinne zu verstehen und zu akzeptieren, auch wenn dir das im Moment verständlicher Weise sehr schwer fallen sollte. Wenn sich die Dame hier beschwert, schadest du damit nicht nur mir sondern eher auch dir selber. Ich weiß wie lange du jetzt schon alleine lebst und das dein Hormonspiegel bei einem solchen Anblick gewiss leicht verrückt spielt und dementsprechend nicht in Ordnung ist. Warte es doch einfach ab, ob ihr euch überhaupt kennen lernen sollt und erst dann frage dein Herz, ob es jemand sein könnte mit dem du im Zweifelsfall, auch dann wirklich alles teilen möchtest. Glaube mir, wenn du deiner ganz sicher bist, dann wirst du auch eine solche Frau für dich begeistern können. Das kannst du dir sonst, einmal platt ausgedrückt, eher an die Backe schmieren. Hast du mich verstanden, Christian Beck?”
Nachdenklich, jedoch auch dankbar für Victors Worte, schaute Christian jetzt wieder zu ihm auf. ” Irgendwie, so denke ich magst du vielleicht ja auch recht haben, mit dem was du gerade gesagt hast Victor. Bleibe aber trotzdem objektiv und vergiss bitte nicht das ich mittlerweile erwachsen genug bin um so etwas auch selbst zu wissen. Ich glaube ebenfalls von mir behaupten zu können, dass ich ganz gut meinen eigenen Gefühlen trauen kann. Wenn mich dann jemand auf Anhieb so begeistert wie diese Frau dort, dann sind das nicht nur meine Hormone welche dabei mit mir durchgehen und mich zu derartigem Benehmen verleiten. Doch ich denke du hast richtig entschieden. Also lasse uns jetzt erst einmal etwas essen. Mein Magen hängt mir ja eh schon fast auf den Knien. Komm, komm Kamerad, so fahr er heran. Zeig er mir, was sein Haus und Hof zu bieten haben.” Nun war es an Victor, mit geöffnetem Munde da zu stehen. Er verließ, ohne ein weiteres Wort zu sagen kopfschüttelnd den Tisch. Den hat es aber ganz schön erwischt, dachte er bei sich. Wenn das mal nur gut geht. Jedoch ist mir ein solches Verhalten ja bekannt, ich kenne das ja von mir selber. Wenn einem wie uns einmal die Richtige begegnet, dann Gnade der Menschen Gott denselben!
Zur gleichen Zeit, ca. 40 Kilometer von Duisburg entfernt in einem Vorort einer Stadt mit dem Namen Wesel. Hier in Blumenkamp lebten Franz und Monika Braas nun schon seit knapp zwanzig Jahren.
Franz Braas, Inhaber einer etablierten Fleisch Konservenfabrik, saß mit seiner Ehefrau Monika gemeinsam beim Abendessen. Während sie da speisten unterhielten sie sich an diesem Abend nicht wie sonst üblich über ihr Geschäft, wie sie es in regelmäßigen Abständen schon einmal des Abends taten. An diesem Abend hatte ein anderes und den beiden sehr nahe liegendes Thema den Fokus erhalten. Hauptgesprächsthema an diesem Abend war und dies intensiver als zu ähnlichen Gelegenheiten, dass Leben und die Zukunft ihrer Tochter Susanne.
”Franz, was meinst du, ob uns Susanne denn noch irgendwann einmal zu richtigen Großeltern machen wird? Ich würde es mir so wünschen, das sie endlich einmal den Richtigen trifft und dann auch eigene Kinder bekommen wird.”
Franz Braas schaute erstaunt von seinem Teller auf und dann zu seiner Frau herüber.
”Du meinst doch wohl nicht etwa, das wir das noch erleben werden, das unsere versnobte und auch teilweise arrogante Frau Tochter noch jemals jemanden kennen lernen würde, der die Kraft und ganz besonders die Geduld hat, die selbige auf Dauer zu ertragen. Susanne braucht definitiv einen Mann, der sie 1.) erträgt mit all ihren Launen. Sie 2.) führen kann ohne zu schnell das Handtuch zu werfen und sie 3.) mit all ihren Macken auch noch lieben könnte und würde. Du glaubst doch nicht allen ernstes, dass dies in unserem Leben noch geschieht.”
Monika Braas musste nach diesem Ausbruch ihres Mannes ungewollt lächeln.” Wenn man deinen Sarkasmus etwas beiseite schiebt lieber Franz, könnte man ja wirklich auf die Idee kommen das du dir um unser Kind doch noch ernsthaft Gedanken machst. Sicherlich und da gebe ich dir ohne Umschweife Recht, sollte unsere Susanne noch das eine oder andere Verhalten etwas relativieren, aber warten wir es doch einfach einmal ab. Ich spüre das irgendwie, das der Richtige für unser Kind bestimmt nicht mehr sehr weit ist.”
Monika lächelte ihren Mann weiterhin versonnen an. ” Weißt du denn nicht mehr wie schwer es uns beiden damals ergangen ist, bis das wir zwei endlich zusammen gefunden haben? Von welcher unterschiedlichen Herkunft und Intellekt wir waren?”
Franz Braas wog seinen Kopf leicht hin und her. ”Dein Wort in Gottes heiliges Ohr, Frau Braas. Ich liebe deinen Optimismus.“ An dieser Stelle unterbrach er dann seinen Sarkasmus. „Ich Liebe dich noch stärker als damals. Es ist noch genau so mit dir wie vor 35 Jahren als wir beide heirateten, eher noch schöner und intensiver. Du wirst zudem im Laufe der Jahre immer stärker und immer hübscher.
Komm zu mir Monika. Er zog seine Frau zu sich herüber und Franz und Monika Braas verbrachten miteinander so gemeinsam den Abend. Die Renovierungsbesprechung, welche für diesen Abend eigentlich noch zur Diskussion angestanden hatte, sollte dann aber erst am nächsten Tag stattfinden, denn kurz darauf waren beide Arm in Arm auf der Couch eingeschlafen.
Am nächsten Morgen holten sie dieses nach, wobei sie überein kamen das Susanne ihnen dann vielleicht auch bei der ihrer Innenrenovierung zur Hand gehen könnte. Im Sinne eines Fachberaters für Design, denn sie würde dieses Haus ja auch schließlich einmal erben, also konnte sie ihnen diesbezüglich ja auch ruhig beratend zur Seite stehen.

Christian und Victor hatten ihr Abendessen verspeist, wobei es Christian nicht immer ganz leichtgefallen war konkret bei der Sache zu bleiben. So sehr faszinierte ihn diese Frau am Tisch direkt gegenüber. Von Zeit zu Zeit wurde er deswegen von Victor dafür mit einem festen Tritt gegen sein Schienbein bedacht, wenn er dann einmal wieder zu offensichtlich zu ihr hinüber schaute.


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