Auffi  

greyhoundhh 40M
0 posts
6/1/2006 5:27 am

Last Read:
6/6/2006 11:12 am

Auffi


06.06.2006 17:20
Na denn mal frisch losgebloggt.

Angemeldet bin ich schon seit einigen Wochen. Die nach eigenen Angaben weltweit größte Intimkontaktbörse lockt Männlein wie Weiblein (und alles was sich dazwischen befindet) gleichermaßen mit dem Versprechen global und damit auch immer lokal Interessierte in Kontakt, wenn’s geht so richtig schön (versaut?) intim, zu bringen. Alles für umsonst. The global Fuckmachine is on service just for you and naturally me. Hurra das Paradies ist da!!

Der Eintritt durch die Himmelspforte erscheint mir eher als von anderen irdischen Prozeduren bekannter von den AdminGöttern gestalteter bürokratischer Hürdenlauf. Doch jetzt bin ich da und, klar doch, nachdem ich etliche Seiten mit Profilfragen durchge(f)klickt habe, in Länge wie Breite millimetergenau tiefenprofiliert, [By the way, gibt es auch Größenangaben zu Vaginas? Das Kamasutra bietet glaube ich die Größen „Elefantenkuh“, „Stute“ und „Gazelle“ was etwa L, M und S entspräche, an] („Erzählen Sie unseren Mitgliedern von Ihren Wünschen“ und bekomme so gut wie nichts zu sehen.
Ich sehe mich um und stelle fest, aha das ist hier so Standard. Daher Standardmitgliedschaft. Will ich mehr soll ich mein Bestes geben. Durch silberne und goldene Türen werde ich ins Himmelreich gelangen. Das ist doch alles wie im Mittelalter in der katholischen Kirche. Damals wurde halt für den Sündenerlaß gelöhnt, hier möge ich meine Kreditkarte für den (ach so lustvollen) Sündenfall zücken. Das erwartungsvoll drängelnde Kribbeln aus der Unterleibsgegend erfährt ernüchternde Abkühlung.

Zur Spitze der Lust zu gelangen ist wie vieles andere mit schlichtweg viel Arbeit verbunden. Da sind zunächst mal Dutzende von Klicks durch die Katalogstarke Innenseiten dieses Clubs zu tätigen. Die Atmosphäre in den Chaträumen erschnüffeln. Diskussionsforen sichten, Artikel nebst Kommentaren durchsehen, Blogseiten aufblättern … und jetzt auch noch selber schreiben!! Das kostet alles irre viel Zeit.

Dabei wollte ich doch nur in meiner Nachbarschaft, also höchstens ein paar Dörfer oder Stadtteile weiter, mit ein paar Klicks ganz unkompliziert ein Schneckelchen aufgraben die gerade so kribbelig ist wie ich. Schließlich kribbelts immer und überall, ob in New York, (big fun between big apples), Paris (baise moi), Madrid (mata me) oder KleinKnattersbach an der Knatter. Oder unterliege ich da nur einer Selbsttäuschung?

Das Verfahren ist, so lerne ich, zeitraubend langwierig und kleinschrittig.
Erster Schritt: Langer Atem, Geduld und Gelassenheit.
Zweiter Schritt: Beharrlichkeit
Besonders in der Aufmerksamkeitserzeugung ist hier einiges zu leisten. Wenn man bedenkt, das der Club bereits einige Millionen Mitglieder hat; wie soll man da eigentlich wahrgenommen werden? Der Mensch ist, so nicht gerade blind, ein Augentier. Er orientiert sich an Bildern. Wie ist da so das Angebot in diesem Beritt? Eher grotesk anmutend diese ganzen Geschlechtsteilpassbilder. Es braucht schon einen wissenschaftlich stringenten Blick um die Individualität des Organs noch wahrnehmen zu können. Wenn man Dutzende dieser „Identitäten“ in kurzer Zeit durchblättert, man kann sie ja auch favorisieren, ist schon nach einer Stunde vergessen was am Anfang derselben Stand. Was erregen soll ermüdet bald; und beim Anblick mancher „Gerätschaft“ stell ich mir vor, es wäre, wenn es zum „Schwur“ käme, besser diesen wie früher zu leisten: Licht aus und Augen zu. Ich sehne mich wirklich nach intimen, erotischen Situationen; glaube aber das ihre Herleitung nicht über nackte Tatsachen erfolgt. Die Spannung steigt beim Weg vom Stoff zur Haut. Habe ich diesen Glauben allein?
Statistisch gesehen halte ich die Wahrscheinlichkeit jemand auf der Straße kennen zu lernen für höher als hier im Club. Deshalb setze ich mich auch nur bei Schlechtwetter an die Kiste und habe für ach so heiß erwartete Antwortmails die Autoreplyfunktion eingeschaltet. Wer hat das auch? Das ist stets höflich und wichtig wenn man selbst (vergeblich?) auf Antwort wartet.

Dritter Schritt: Suchen und sortieren. Mindestens so schwierig und zeitraubend wie Wohnungs- oder Jobsuche

Vierter Schritt: Fleiß. Dieser Club vergibt Punkte. Das ist wie Rabattmarken sammeln beim Kaufmann oder neudeutsch payback. Mal sehen was da zu schaffen ist.

Fünfter Schritt: Vortasten und winke winke machen.

Sechster Schritt: Umeinander rumeiern. (Falls zurückgewunken wurde) Messaging can become a mess sometimes.

Siebter Schritt: Daten (Neutraler Ort)

Achter Schritt: Stark sein, wenn nach acht Sex on the beach klar ist, dass ich doch nicht der erhoffte Mr. Right bin, aber in konservativer Generosität die Spesen trage. Nach Gentlemanabschied noch einen doppelten Espresso nehmen und ganz tapfer wieder bei Schritt drei einsetzen.

Neunter Schritt: Ischh werde an diese Place eine officiell Kommünikee püblik machen falls es zu eine Gipfeltreffen kommt. Hup.

Zehnter Schritt: Qualitätssicherung. Ebay ist in der Bewertung von Käufern und Verkäufern marktführend. Kommentare wie: „Die Lieferung erfolgte prompt und schnell. Die Ware war in bestem Zustand. Ich habe genau das bekommen was ich mir gewünscht habe. Ich kann KlausBärbel in vollem Umfang weiterempfehlen.“ sind Qualitätsstandards, von denen eine Standardmitgliedschaft in diesem Club noch meilenweit entfernt ist. Are we goin to work on it?

So far so well

Become a member to create a blog